AutorenINTERVIEW - Jasmin Jülicher



#8 Autoreninterview

© Autorin Jasmin Jülicher



Liebe Jasmin,

ich freue mich sehr, dass ich Dich in monerlS-bunte-Welt herzlich willkommen heißen darf und Du nun meine Rubrik "Autoren-Interviews" bereicherst!

Du bist meine erste Debüt-Autorin, die ich vorstellen darf und ich freue mich auf Dich! Über die liebe Heike von Irve liest bin ich auf Dein Crowdfunding-Projekt zu deinem Debüt „Der Hüter - Stadt der Tiefe“ aufmerksam geworden. Freudig kann jetzt verkündet werden, dass das Crowdfunding erfolgreich war und die erste Auflage des Buches gedruckt werden kann!
 


Cover: Vorder- und Rückseite / Illustration Hannah Böving



Wann und wie hast Du erfahren, dass so viele fremde Menschen so viel gespendet haben, dass Du deinem Traum ein Stück näher gerückt bist? 
Jasmin: 
Ich war noch im Urlaub, als ich am Laptop gesehen habe, dass die 100%-Marke überschritten worden ist. Ich habe mich natürlich wahnsinnig darüber gefreut, dass so viele Menschen mich bei meinem Projekt unterstützen und wollen, dass das Print von „Der Hüter – Stadt der Tiefe“ realisiert wird.

Das habe ich natürlich nur durch Zufall gesehen, auf keinen Fall habe ich mehrmals täglich auf „Aktualisieren“ gedrückt …
 

Bestimmt haben auch Familienmitglieder gespendet! Weißt Du, wer alles aus Deiner Familie und deinem Freundeskreis mitgemacht hat? Welche Gefühle hat das in Dir ausgelöst?
Jasmin:  
Da ich die Liste der Unterstützer einsehen kann … Ja, ich weiß, wer mitgemacht hat. Ganz vorne mit dabei sind immer meine Eltern, wenn ich Unterstützung brauche. Damit meine ich gar nicht so sehr den finanziellen Aspekt, sondern eher ihre Mühe, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um die Aktion bekannt zu machen. Ebenso meine Tante, die sich sehr stark dafür eingesetzt hat. Und auch meine Freunde, die ja seit Ewigkeiten darauf warten, das Buch lesen zu können, haben die Aktion direkt unterstützt. Es ist auf jeden Fall schön zu sehen, auf wieviel Hilfe man zählen kann.

Screenshot Crowdfunding-Campagne

Eine letzte Frage zum Crowdfunding: Wer hatte diese Idee? 
Jasmin:  
Mein Freund. Er hatte zu der Zeit selbst einige Crowdfunding-Aktionen unterstützt und meinte dann zu mir „Warum machst du das nicht auch so?“ Erst dachte ich, dass das für Bücher doch nicht funktioniert, etc. etc. Aber irgendwann dachte ich: „Warum eigentlich nicht?“ Es ging bei der Aktion ja nicht darum, das Lektorat, das Cover oder gar das Schreiben des Buches zu finanzieren. Es ging lediglich darum, das Buch gewissermaßen als Vorbestellung anzubieten und mit dem Geld aus diesen Vorbestellungen dann den Druck zu stemmen.


 Dein Buch „Stadt der Tiefe - Der Hüter“ weist auch Elemente aus dem Bereich Steampunk auf. Hast Du ein Lieblingsbuch, das Dich auf die Idee gebracht hat, Dein Buch auch in diesem Bereich anzusiedeln oder wie kam es dazu?
Jasmin: 
Das kann ich nicht so richtig erklären. Seit ich von Steampunk gehört oder gelesen habe (Ich weiß leider nicht mehr, wo oder wann das war), war ich fasziniert von dem Genre, das einem als Autor wirklich viele Möglichkeiten bietet. Noch dazu gefällt mir der Stil, den dieses Genre in Bezug auf Kleidung, Einrichtung und Dekoration an den Tag legt, sehr gut. Aber wenn man von Büchern reden möchte, die mich aus dem Bereich beeindruckt haben, dann waren das „Das mechanische Herzvon Dru Pagliassotti und „Die Chroniken der Weltenwanderervon Thomas Thiemeyer.

Und der etwas seltsame Stil-Mix aus Steampunk, Krimi mit einem Hauch von Abenteuer kommt daher, dass der Roman das Projekt für ein Krimi-Seminar war. Ich musste also einen Krimi schreiben und nach meinem ersten Versuch (im vorherigen Semester) mit einem ganz normalen Krimi, wollte ich es etwas ungewöhnlicher machen. Ich wollte Steampunk und ich musste gewissermaßen Krimi. Daher der Genre-Mix. (Nicht, dass ich etwas gegen Krimis habe, dann hätte ich das Seminar nicht belegt ;) )




Da „Stadt der Tiefe - Der Hüter“ Dein erstes Buch ist, interessiert es mich sehr, wie Deine Recherche dafür verlief. Hast Du viele Notizbücher gefüllt oder hat sich bei Dir alles im Kopf abgespielt? 
Jasmin:  
Den Plot hatte ich bereits 2013 im Rahmen des Krimi-Seminars, das ich besucht habe, entwickelt. Dieser las sich wie ein Exposé und er war meine Vorlage für die Handlung. Ansonsten hatte ich noch ein Notizbuch, in das ich eine sehr hässliche Skizze von der Stadt Biota gezeichnet hatte (Ich und Zeichnen… Katastrophe sage ich da nur), und aus der außer mir sicherlich auch niemand schlau geworden wäre. In das Notizbuch habe ich dann noch Dinge geschrieben, an die ich mich erinnern musste. Das Aussehen von Personen, wichtige Wendungen, die ich noch einmal aufgreifen musste, oder einfach Entwürfe zu irgendwelchen Szenen. All das hat aber auch ungefähr nur 4 Seiten gefüllt. Ansonsten spielt sich das meiste einfach in meinem Kopf ab. 

Welcher Charakter hat am meisten von Dir abverlangt, geformt zu werden und welcher ist Dir flüssig aus der Feder / der Tastatur geflossen?
Jasmin: 
Alexander war am schwierigsten, einfach, weil er die Hauptperson ist und stark im Fokus steht. Das Problem bei meinem Roman war, dass Alexander am Anfang, bedingt durch die Lebensumstände in der Stadt, nicht wirklich einen Charakter hat, was recht schwierig zu schreiben ist. Im Laufe der Zeit entwickelt er sich, er durfte sich aber noch nicht zu weit entwickeln, da noch andere Bände mit ihm folgen werden.

Bösartige oder wahnsinnige Charaktere springen mir hingegen förmlich aus der Tastatur. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber Wahnsinn geht mir leicht von der Hand.
 

Wie war das mit den Namen? Wusstest Du gleich, wie jede Figur heißen soll oder hast Du manche einige Male umbenannt?
Jasmin:  
Die Namen der Hauptcharaktere sind von Anfang an geblieben, bei den Nebencharakteren gab es allerdings ein kleines Problem, auf das mich mein Bruder aufmerksam gemacht hat: Gleich drei Personen hießen Gregor. Daran musste ich natürlich etwas ändern …

In wieweit hat Dich dein Beruf, den Du derzeit ausübst, zu dieser Story inspiriert? 
Jasmin:  
Mein Studium in „Biological Sciences“ mit der Spezialisierung auf Süßwasser-Ökologie und einem starken Interesse an der Meeresbiologie haben mich geprägt und an manchen Punkten der Geschichte auch inspiriert. Ganz besonders aber beeinflusst das Studium aber natürlich die Denkweise, die Art, wie man an Dinge herangeht, wie man Probleme löst.


© Pixabay / Steampunk


Wie reagiert Dein Umfeld auf Deinen (noch) Nebenjob? Gibt es Leute, denen Du noch nichts von Deiner „Schreiberei“ erzählt hast?
Jasmin:  
Also, ich stelle mich normalerweise nicht mit „Hallo, ich bin Jasmin und ich bin Autorin“ vor (Das würde auch zu sehr nach Selbsthilfegruppe klingen). Aber wenn die Frage dahingeht, was ich so mache, antworte ich auch damit, dass ich schreibe. Die meisten sind dann sehr interessiert, fragen, was genau ich denn so schreibe und wollen das Buch gerne lesen. Bisher musste ich sie vertrösten, aber das wird sich ja nun bald ändern.

Hast Du (literarisch gesehen) Vorbilder, denen Du gerne nacheifern möchtest, die Dich als Autorin antreiben? 
Jasmin:  
Ich finde die Visionen und die Kreativität von Jules Verne unglaublich. Die Detailversessenheit, mit denen er all seine Ideen ausgearbeitet hat, bis sie absolut wirklich klingen. Das finde ich faszinierend. Aber vergleichen will ich mich deshalb nicht mit ihm, auf keinen Fall. Aber er war wohl durchaus wegbereitend für das Genre, in dem ich jetzt schreibe.

Was fällt Dir beim Schreiben am schwersten?
Jasmin:  
Alles Stück für Stück zu machen. Jedes Mal habe ich die Geschichte genau vorher geplant und weiß schon, wie alles laufen wird. Und dann nur jeden Tag ein paar Seiten davon aufschreiben zu können, das macht mich wahnsinnig.

Cover eBook

Welche Genres kannst Du Dir derzeit für Dich gar nicht vorstellen? Warum nicht?
Jasmin: 
Etwas in die Richtung Chick-Lit zum Beispiel. Ich habe nie Romane gelesen, die in diese Richtung gehen. Da ist bei mir das Interesse einfach nicht vorhanden. Und dazu ist das, was ich schreibe wohl auch zu düster.
 

Wie viele Überarbeitungen hast Du gemacht, bis Du mit der finalen Version zufrieden warst und diese für den Druck dann feststand?
Jasmin: 
Viele. Fand ich zumindest. Gut möglich, dass andere Autoren das anders sehen. Aber ich habe meinen Roman sicher fünfzehn Mal komplett überarbeitet. Und dann noch zwei Mal mit meinen Lektorinnen zusammen.

Dazu kam dann die Suche nach dem passenden Layout mit Bildern, die auch noch ein wenig gedauert hat und wo ich des Öfteren mal alles wieder über den Haufen geworfen habe.
 
Beispiel Layout mit Leseprobe


Wer durfte Deine Geschichte lesen und lesen, bis er sie auswendig konnte? Welchem „Beta-Leser“ vertraust Du am meisten?
Jasmin: 
Mein Onkel hat es außer mir wohl am häufigsten gelesen. Er hat mir bei dem Roman sehr geholfen. Davon abgesehen habe ich es meinem Bruder und einer guten Freundin geschickt. Dadurch, dass sie es gelesen haben, bevor es fertig war, haben sie mich auch dazu angetrieben, am Ball zu bleiben. Sie haben nachgefragt, ob es etwas Neues gibt, also musste ich weiterschreiben.
 

Zum Abschluss möchte ich wissen, welches Dein Lieblingsbuch ist und warum?! Die meisten, vielleicht auch Du, haben mehrere Lieblingsbücher und können sich kaum entscheiden. Was ich absolut verstehen kann! Aber gibt es eines, das, evtl. auch nur zurzeit, einen kleinen Ticken die Nase vorn vor allen anderen Lieblingsbüchern hat?
Jasmin:  
Das ist keine so einfache Frage. Mein Lieblingsbuch richtet sich üblicherweise nach dem Genre, nach dem gefragt wird, oder nach der Stimmung, in der ich gerade bin. Dementsprechend gibt es mehrere Lieblingsbücher. Aber zur Beantwortung der Frage werde ich jetzt einfach mal eine Buchreihe wählen, die anscheinend weniger bekannt ist, die ich aber geliebt habe, zu lesen. Und zwar ist das „Gregor“-Reihe von Suzanne Collins. 



Liebe Jasmin, 
ich stelle fest, dass Du eine Affinität zum Namen "Gregor" hast. Sehr interessant... ;-)

Jasmin: 
Du hast recht! Mysteriös. Vielleicht sollte ich nochmal nachschauen, ob sich in meinem momentanen Projekt nicht auch wieder ein paar Gregors eingschlichen haben...

Herzlichen Dank, dass Du Dir Zeit genommen hast, mich in meiner bunten Welt zu besuchen und sie dadurch noch etwas bunter gemacht hast!
Ich freue mich nun sehr auf Dein Buch und werde es auf Herz und Nieren prüfen! Ich bin gespannt auf Deine Fantasie und die Unterwasserwelt, die Du Dir ausgedacht hast.
Dir wünsche ich alles, alles Gute und Deinem Buch einen fantastischen Start in die Literaturwelt! Ich hoffe, Du schreibst schon fleißig an dem nächsten Teil weiter, damit Deine Fans nicht zu lange auf den Nachfolgeband warten müssen! 

Jasmin: 
Vielen lieben Dank. Tatsächlich sind die nächsten anderthalb Bände schon geschrieben. Das Lektorat und die Covergestaltung werde ich also schon sehr bald in Angriff nehmen können. 

Herzliche Grüße,
das Monerl  

Wer jetzt noch mehr Informationen zu Jasmin Jülicher wissen möchte, der kann sie sehr gerne auf Facebook sowie auf Instagram besuchen.

Zeitungsartikel vom 08. Januar 2016 aus Niederrhein Nachrichten  
Zeitungsartikel vom 03. Juli 2017 aus Rheinische Post
 
Wer jetzt neugierig auf das Buch geworden ist, kann HIER in die Leseprobe reinschauen.

EDIT:
Ein weiteres und sehr interessantes Interview, da es so ganz anders ist, findet ihr auf Tilly Jones´s Blog. Mir hat es großen Spaß gemacht!



Kommentare

  1. Liebes Monerl,
    danke für das Interview! Ich durfte das Buch ja auch schon vorablesen und bin superbegeistert. Daher war es jetzt ganz toll für mich, dieses Interview mit der Autorin lesen zu können. Und mir ist ein kleiner Stein vom Herzen gefallen....denn ich möchte Jasmin auch gerne interviewen und zum Glück habe ich andere Fragen im Sinn als die, die du gestellt hast ;-)
    Viele Grüße, Heike

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    1. Oh Heike,
      ich freue mich dann jetzt schon sehr auf deine Fragen! Kann mir vorstellen, wie du erst gebibbert hast! Sich gute und interessante Fragen auszudenken ist ja nicht so einfach, gell! Umso schöner, dass du jetzt nicht alles umschmeißen musst. :-)

      GlG vom monerl

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  2. Wow! Das nenne ich mal ein wirklich langes und ausführliches Interview :). Ich habe schon ein paar Mal mitbekommen, dass manche Autoren ihre Bücher durch Crowdfunding finanzieren wollen, aber anscheinend klappt es nicht immer ...

    Liebe Grüße
    Ascari

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    1. Ich finde so ein Crowdfunding auch total mutig! Was für eine Zitterpartie das sein muss! Und wenn es gegen Ende dann nicht klappt... Oh weh, in diesen Schuhen möchte ich nicht stecken. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass Jasmin es geschafft hat. Soweit ich weiß, waren sogar noch ca. 10 Tage übrig. Super, oder?!

      Lese zurzeit das Buch und hoffe, dass es mich ebenso mitreißen und überzeugen kann wie Heike. ;-)

      Freue mich sehr, dass dir das Interview gefallen hat und du sogar bis zum Ende durchgehalten hast! Ich versuche jedem Autor, jeder Autorin immer die gleiche Anzahl an Fragen zu stellen. Die richtige Mischung zu finden, dass etwas Gehaltvolles bei raus kommt und die Lesenden aber nicht wegklicken, weil es zu lang ist, das ist total schwer. Umso schöner, wenn man so ein tolles Feedback bekommt! :-D

      GlG vom monerl

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  3. Ein tolles Interview! Sowohl von Seiten des Interviewers als auch von Seiten der Autorin. Die Fragen sind durchdacht und das Interview hat eine gute Länge.

    Die Crowdfunding-Aktion ist ja wirklich klasse.
    Das Genre Steampunkt hab ich noch nie gelesen, will es schon die ganze Zeit über ändern. Vielleicht fang ich dazu mit diesem Roman an.
    Das Cover ist der absolute Hammer!

    Ich bin begeistert und habe deinen Beitrag auf meiner Wanderung durch die Welt der Bücherblogs verlinkt.
    Grüße
    Daniela

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    1. Hallo Daniela,
      bin echt so froh, dass das Interview angekommen ist! Insbesondere ist es immer so ne Frage, ob Leute auch Interviews mit Autoren lesen, von denen sie noch nichts gehört haben. Das ist ja eigentlich schade, da man so niemand neues entdecken kann.

      Steampunk ist auch recht neu für mich. Habe vor diesem Buch erst zwei andere aus diesem Genre gelesen. Aber es ist sehr interessant, welche Möglichkeiten es bietet, genau so, wie Jasmin oben bereits erwähnt hat. Sie freut sich bestimmt sehr, wenn du ihr Buch zum Einstieg wählst! :-)
      Danke für die Verlinkung! Freue mich sehr, für mich wie auch für die Autorin.

      GlG vom monerl

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  4. Hallo Monerl!

    Das ist ein tolles Interview. Ich hab das Buch ja schon gelesen und fand es richtig gut!
    Steampunk ist ein Genre, das meiner Meinung nach viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte, weil es so vielschichtig und interessant ist. Ich freue mich schon, wenn diese Buchreihe weitergeht. :-)

    LG
    Tilly

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    1. Hallo Tilly,

      danke! Ich bin schon sehr gespannt, wie mir das Buch insgesamt gefallen wird. Neben diesem Buch habe ich tatsächlich nur noch zwei weitere aus diesem Genre gelesen. Vielleicht trauen sich die Autoren nicht so richtig an Steampunk ran?! Ich weiß, dass die Autorin Susanne Gerdom auch einige Bücher mit Steampunk(elementen) geschrieben hat. Vielleicht ist da ja eines für dich dabei?

      Lange musst du wohl nicht mehr auf die Fortsetzungen warten, wie Jasmin geschrieben hat! Freue mich auch darauf, dann nach dem ersten Teil fast gleich weiterlesen zu können. Habe einige Rezis gelesen und sie machen mir große Freude auf das Buch; auch deine. :-)

      GlG vom monerl

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