Buchvorstellung - Bis an die Grenze

#136 Rezension

Bis an die Grenze

Dave Eggers
Kiepenheuer & Witsch Verlag
Fester Einband
ISBN: 9783462049466
Rezensionsexemplar  

2 von 5 Sternen



copyright KiWi Verlag




Buchbeschreibung:

Eine Mutter auf der Flucht – ein Roadtrip ans Ende der Zivilisation

»Bis an die Grenze« ist ein berührender, warmherziger Roman, in dessen Zentrum Josie steht, eine alleinerziehende Mutter, die mitsamt ihren beiden Kindern aus den Zwängen ihres Vorstadtlebens flieht und sich in der Wildnis Alaskas neu zu finden sucht. Dave Eggers Porträt einer Frau, die hin- und hergerissen ist zwischen dem Wunsch nach Konformität und nach Freiheit, ist hochkomisch, wahrhaftig und ungemein aktuell.

Josie, eine Zahnärztin, die ihre Praxis hat schließen müssen, bekommt Panik, als ihr Exmann darum bittet, die gemeinsamen Kinder seiner neuen Verlobten vorstellen zu dürfen. Sie packt die Kinder und flieht mit ihnen an den entlegensten Ort, der für sie ohne Pass erreichbar ist: Alaska. Die Reise in dem angemieteten, abgetakelten Wohnmobil durch die Wildnis rüttelt die Familie durcheinander. Der achtjährige Paul übernimmt die fürsorgliche Vaterrolle in der Familie, während die fünfjährige Ana Chaos und Zerstörung magisch anzieht. Was sich zunächst wie ein Abenteuerurlaub am Ende der Welt anfühlt, wird schnell zur verzweifelten Flucht, nicht zuletzt vor einem Lauffeuer, das in der Region ausgebrochen ist. Doch nicht nur das Feuer scheint Josie auf den Fersen zu sein, sie kämpft auch gegen die imaginären sowie realen Geister ihrer Vergangenheit und muss dafür bis an ihre Grenze gehen.
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Ich weiß nicht genau, was ich erwartet hatte, als ich diese Geschichte unbedingt lesen wollte. In meiner Vorstellung jedenfalls sollte sich ein (Flucht)Abenteuer entfalten, an dem ich passiv teilnehmen würde und das mich hochkomisch, wie angepriesen, unterhalten und berühren würde.
Doch an diesem Roman ist absolut NICHTS hochkomisch, nicht einmal ein bisschen komisch! 

Im Focus steht Josie, alleinerziehende Mutter, arbeitslose Frau ohne familiären Halt und ohne Selbstvertrauen. In ihr manifestiert sich eine riesige Angst, dass Carl, ihr Ex-Lebensgefährte und Vater ihrer Kinder, der nach so vielen Jahren Abstinenz im Leben der Kinder, jetzt, durch seine neue Beziehung und dem Wunsch zu heiraten, wieder in das Leben der Kinder treten will und ihr damit die Kinder wegnehmen könnte. Paul und Ana sollen Zeit mit ihm und bei ihm verbringen und seine Verlobte kennenlernen. Das will Josie auf keinen Fall und flieht Hals über Kopf! Da sie keine Arbeit mehr hat, ist es leicht alle Zelte abzubrechen und mir nichts dir nichts, so weit wie möglich mit den Kindern zu fliehen und unterzutauchen

Josie ist keine Sympathieträgerin. Grundsätzlich muss sie das auch nicht sein, damit eine Story als gut und glaubwürdig angesehen werden kann. Doch ohne einen sympathischen Protagonisten muss die Geschichte und der Schreibstil umso besser sein, damit ich als Leser "am Ball bleiben" möchte. Und genau hier trennten sich mein Wunsch / meine Erwartung an das Buch und die Ausführung des Autors. 
Dave Eggers konnte mir Josies Handeln kaum näher bringen. Ich konnte weder nachvollziehen, warum sie mit Carl eine Beziehung eingegangen war noch warum sie sich mit ihm Kinder gewünscht hat. Auch wenn wir nur Josies Sicht der Dinge erfahren, zeigt mir diese nicht deutlich, warum sich in Josie diese immense Angst vor Carl und dem Verlust ihrer Kinder an ihn gebildet hat. 

Paul und Ana sind keine durchschnittlichen Kinder. Aber auch diese rührten kaum an meinem Herz und meinen Gefühlen für sie. Letztendlich schwappte ein kleiner, kaum erwähnenswerter Funke für Paul auf mich über. Er ist ein Kind, das eher eine echte Stütze für seine Mutter sein muss, denn ohne die Hilfe von Paul, auch im Umgang mit Ana, wäre Josies Alltag und Familienleben noch zerrütteter als sowieso schon. 

Josies Vergangenheit und Kindheit war für mich der einzig interessante Punkt der Geschichte. Hier hätte ich mir einen intensieveren und ausführlicheren Handlungsstrang gewünscht. Josies Kampf mit den "imaginären und realen Geistern ihrer Vergangenheit" waren mir im Einzelnen zu verdreht (für alle, die das Buch gelesen haben, Stichwort: Musical).

Der Roadtrip nach und durch Alaska, Josies Flucht vor ihrem Leben, ihren Ängsten und Sorgen und auch ein stückweit vor sich selbst, auf der sie nicht nur sich an ihre Grenzen bringt, sondern auch die Kinder, konnte mich leider nicht erreichen. Josie überschreitet vielfach eine rote Linie als Mutter und wird ihrer Verantwortung Paul und Ana gegenüber nicht gerecht. 

Dabei konnte ich mir meine Frage, was genau Dave Eggers mit diesem Buch ausdrücken wollte, nicht beantworten. Falls es eine Kritik an der Gesellschaft gegenüber alleinerziehenden Müttern ist, die viel zu oft von Partnern, Vätern, Schulen, Nachbarn, Mitmenschen, Behörden und dem Staat alleingelassen und angeprangert werden und die sich für ihre Kinder und ein einigermaßen gutes Leben zerreißen müssen, dann konnte ich dies dem Inhalt des Buches nicht entnehmen. 
Aufgezeigt bekommen habe ich eine schwache Frau, die nie für sich einstand, nie ihre Wünsche entsprechend artikuliert und sich zu keiner Zeit entsprechende Hilfe geholt hat. Eine Frau, die kopflos die Flucht ergreift, keine Zukunft vor Augen hat und sich und die Kinder in Lebensgefahr bringt. 

Zuletzt konnte mich leider auch der Schreibstil des Autors nicht für sich einnehmen. Hin und wieder wurde zwar subtile Spannung aufgebaut, ich erwartete ein imposantes Geschehen, das aber nicht eintraf und alles verpuffte. Am Ende blieb eine ganz große Enttäuschung.

Fazit:
Ein Klappentext, der mich absolut überzeugte und große Neugier weckte, die das Buch im Endeffekt leider nicht erfüllen konnte.


EDIT am 04.05.2017 aufgrund der Nachfrage, warum ich doch noch 2 Sterne vergeben habe:
Zwei von fünf Sternen sind insgesamt dann doch gerechtfertigt, da mir die Charakterisierung von Paul gut gefallen hat. Der achtjährige Junge hat gewaltiges Mitleid verdient, doch er alleine konnte das Buch nicht retten. Das Ende des Buches hat mir ebenso gefallen, soll heißen, es passt zum Rahmen der Geschichte. Ein anderes Ende wäre absolut unglaubwürdig gewesen. 


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Ich danke Lovelybooks, dass ich an der Leserunde teilnehmen durfte und dem Verlag für die Übersendung dieses Buches als Rezensionsexemplar. 




copyright monerlS



Kommentare

  1. Hallo,

    Das hört sich nach einem sinnbefreitem Buch an. Als Zahnärztin kann die Prota eigentlich gar nicht so dumm sein, um so eine Aktion zu starten. Das hört sich reichlich bescheuert an. Wenn man dazu nicht einmal eine Erklärung bekommt, verstehe ich dich voll und ganz.

    LG Sonja Béland

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    1. Liebe Sonja,

      du sagst es. Genau DAS ist mir auch in den Sinn gekommen. Ich weiß jetzt nicht, wie die Zahnarztausbildung in den USA vonstatten geht, aber meine Vorstellung ist, dass man doch einigermaßen klug und etwas intelligent sein sollte, eine Situation besser beurteilen zu können. Klar, jeder kann mal austicken! Doch dann muss es triftige Gründe geben, die mir das Buch jedoch nicht liefern konnte. Vielleicht hat das Buch einen Sinn, manche scheinen ihn zu erkennen, doch ich habe die Moral der Geschichte nicht filtern können.

      GlG, monerl

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    2. Das setzt auch ein gewisses Alter voraus und außerdem sind Kinder im Spiel. Was ist überhaupt an dem Exmann so schrecklich? Wäre wieder zu arbeiten nicht die einfachere Lösung? Das wirft mir zu viele Fragen auf :D
      Dieses abhauen nach Alaska und leben im Wohnwagen erinnert mich an "into the wild". Kennst du den Film? Den fand ich toll.

      LG Sonja

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  2. Hey :)

    Wenn ich das lese, habe ich so das Gefühl, du hättest das Buch gerne noch schlechter bewertet, oder? Kommt zumindest so rüber ... Bisher hatte ich ja wirklich immer Glück, dass ich noch kein Buch in einer Leserunde erwischt habe, dass so mir so wenig gefallen hat.

    Liebe Grüße
    Ascari

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    1. Hallo Ascari,

      hört es sich nach einer "1 Sterne - Rezi" an? Zwei von fünf Sternen sind insgesamt dann doch gerechtfertigt. Die Charakterisierung von Paul war ganz gut, der Junge hat gewalteiges Mitleid verdient, doch er konnte das Buch nicht retten. Und das Ende des Buches hat mir gefallen, soll heißen, es passt zum Rahmen der Geschichte. Ein anderes Ende wäre absolut unglaubwürdig gewesen.

      GlG, monerl

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    2. Ein klein wenig, ja. Zumindest kam für mich nicht so ganz deutlich rüber, was dir daran trotzdem gefallen hat, aber gut, das hast du ja jetzt im Kommentar beantwortet ;).

      Liebe Grüße
      Ascari

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    3. Dann ergänze ich das mal oben. Vielleicht geht es anderen ähnlich wie dir. ;-) Danke für die Nachfrage!

      GlG vom monerl

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  3. Hallo Monerl,
    da hat sich Dave Eggers vielleicht am Thema vergriffen. Titel klingt spannend,,, aber das war es wohl schon,,, Danke für Deine ehrliche Rezension!
    Sein Roman * Der Circle* von ihm hat mir ausgesprochen gut gefallen...

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    1. Hallo liebe Angela,

      ja, meine Worte sind wirklich ehrlich. ICH konnte Eggers' Roman diesmal nicht viel abgewinnen. "Der Circle" habe ich auch gelesen und rezensiert. Hat mir besser gefallen obwohl ich nicht absolut begeistert war. Dennoch möchte ich den Autor nicht abschreiben. Seine Werke "Zeitoun", "Weit gegangen" und "Ein Hologramm für den König" möchte ich trotzdem noch lesen.

      Meine Rezension soll ja meine Enttäuschung widerspiegeln und deutlich machen, dass meine Erwartungen ans Buch nicht erfüllt wurden. Aber auch, dass ich nicht dahintersteige, was der Autor mir damit sagen wollte (falls es eine Botschaft gibt).
      Keinesfalls will ich andere vom Lesen des Buches abhalten. Gemäß vieler Rezensionen konnte das Buch andere Leser überzeugen und "lange nachhallen", wie es oft den Meinungen entnommen werden kann.

      GlG, monerl

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