Buchvorstellung - Smoke

#135 Rezension

Smoke

Dan Vyleta
carl´s Books Verlag
Klappenbroschur
ISBN: 9783570585689
Rezensionsexemplar  

3,5 von 5 Sternen


copyright Random House/carl´s Books




Buchbeschreibung:

Wie sähe eine Welt aus, in der jede Sünde, jeder dunkle Gedanke sichtbar wäre? Smoke entführt den Leser in ein England vor hundert Jahren, in dem jede Verfehlung mit Rauch bestraft wird, der dem Körper entweicht. Auch Thomas und Charlie, Schüler eines Elite-Internats, werden immer wieder durch Rauch-Attacken gebrandmarkt, wenn sie den strengen Schulregeln nicht genügen. Doch dann finden sie – fast zufällig – heraus, dass die Gesetze des Rauchs längst nicht für alle gelten. Wieso gibt es böse Menschen, die nicht von Ruß befleckt sind? Und welche Rolle spielt der Rauch bei den sozialen und politischen Umbrüchen ihrer Zeit? Auf der Suche nach der Wahrheit begeben sich die Freunde auf eine dramatische Reise voller riskanter Abenteuer und düsterer Intrigen und rufen damit schon bald mächtige Feinde auf den Plan ...

Smoke ist ein sprachmächtiger, überbordend einfallsreicher Roman und zugleich eine kluge Parabel, die facettenreich die existenziellen Fragen nach Macht und Moral, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse beleuchtet.




"Eine fantastische Geschichte über Moral, Bigotterie und falsche Tugendwächter." Bunte (23.03.2017)
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Dan Vyleta stellt eine Welt vor, in der Gier, dunkle Gedanken, Verbrechen und verruchte Wünsche durch Rauch und Ruß sichtbar werden. Je schlimmer und dunkler das Böse, desto stärker und fester der Rauch, der sich sogar bis zum Ruß materialisieren kann, dem schwärzesten Etwas, das Mörder ausstoßen. Eine Welt, in der Kinder erst mit ca. 12 Jahren lernen "das Böse" einigermaßen zu kontrollieren. Sterben sie vorher, kommen sie in die Hölle. Dies alles beschreibt eine faszinierende Idee und ist eine Vorstellung, die mir Gänsehaut bescherte. Das hörte sich nach einer ganz besonderen Geschichte an.

Sogar das Cover passt zur Geschichte und ihrem Inhalt, es verführt regelrecht dazu, das Buch in die Hand zu nehmen und es lesen zu wollen. Das Cover ist hier tatsächlich erwähnenswert, da es zum Grundgedanken des Buches passt.

Dan Vyleta erschafft mit seinem Schreibstil auch ein absolut passendes Setting. Es ist düster, es ist karg und trotz der vielen Sünden im "Rauchpott" London ist diese Welt sehr distanziert. Auch hier ist es so, dass Adlige und Reiche sich von der Arbeiterschicht und den Armen unterscheiden und diese auf Abstand halten. Sie haben ihre eigenen Elite-Schulen und wohnen auch außerhalb der großen Städte oder auf dem Land, wo es weniger Rauch gibt. Denn der Rauch brandmarkt! Je höher geboren desto weniger raucht man. So die Vorstellung und das, was man die Menschen glauben lässt. Eine korrupte englische Gesellschaft, die sich vom "bösen" Ausland abkapselt. Nichts darf unkontrolliert auf die Insel und keiner darf von der Insel ohne besondere Genehmigung. 

Dan Vyleta gelingt es auf der ebene der Gesellschaftskritik sehr gut aufzuzeigen, das Vielfältigkeit und Austausch, egal in welcher Form, wichtig ist und dem Fortschritt einer Gesellschaft dient. Gibt es keinen neuen Input, treten die Isolierten auf der Stelle und bleiben auf ihrer Entwicklungsstufe stehen. Der "kleine Mann" hat nicht die Zeit und Muse sich darüber Gedanken zu machen, da er mit seinem täglichen Überleben beschäftigt ist. Die Oberschicht jedoch weiß das und bricht ihre eigenen Regeln, da sie sich einem Fortschritt nicht entgegensetzen können, wenn sie weiterhin im Luxus leben wollen. An manchen Stellen hatte ich den Eindruck, dass Vyleta soger den Brexit-Entscheid in seine Geschichte gepackt hat. 

Ich folgte der Geschichte sehr gespannt! Durch einige unerwartete Wendungen und ausgefallene Ideen blieb ich am Ball und fieberte der Auflösung entgegen. 

Leider brach dann im letzten Drittel meine Begeisterung. Ich habe das Gefühl, dass der Autor sich in seiner eigenen Rauch-Idee verzettelt / verlaufen hat. Der Versuch, die in der Buchbeschreibung genannte Frage, welche Rolle der Rauch bei den sozialen und politischen Umbrüchen der Zeit spiel zu beantworten, entzweit das Buch in zwei Teile. Denn, auch wenn es keinen erkennbaren -Roten Faden- in der Geschichte gab, hat Dan Vyleta durch hervorgehobene Besonderheiten und Fragestellungen diese in eine bestimmte Richtung geleitet, aus der er dann am Ende gewaltig ausbricht. Als Leser blieb ich verwirrt zurück. Ich versuchte zu rekonstruieren, auf welcher Gabelung ich in eine andere Richtung gelesen habe als der Autor die Geschichte geschrieben hatte. Ich konnte einiges nicht nachvollziehen. Die Protagonisten vollzogen eine drastische charakterliche Veränderung, die für mich nicht glaubwürdig war. Ebenso blieben wichtige Fragen unbeantwortet. Selbst durch mehrmaliges Lesen eröffnet sich mir der Schluss nicht. Ich lese die Buchstaben, die Wörter, verstehe aber leider den Sinn dahinter nicht. Die Sensation am Ende ist an mir vorbeigegangen und ich wünsche mir einen Austausch von Mitlesenden, damit ich evtl. verstehe, was mir der Autor sagen wollte. 

Eine Geschichte darf durchaus ein offenes Ende haben, aus der sich verschiedene Alternativen ableiten lassen. Doch hier sehe ich keinen Punkt, von dem aus ich Alternativen oder Ideen entwickeln könnte. Ich fühle mich als bestellt und nicht abgeholt.

Der Erzählstil im letzten Drittel, bei dem nun immer mehr Personen in die Ich-Perspektive wechseln, stiftet mehr Verwirrung als Informationen. Hier wäre weniger mehr gewesen.


Fazit:
Eine hervorragende neue Idee, dessen Umsetzung mich nicht vollends abholen konnte. Ein schöner Schreibstil, eine niveauvolle Geschichte mit einem seltsamen Ende.




Buchtrailer zu "Smoke" von Dan Vyleta



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Ich danke dem Carl´s Books Verlag für die Übersendung dieses Buches als Rezensionsexemplar. 




copyright monerlS



Kommentare

  1. Hey :)

    Wenn ich deine Rezi so lese, habe ich den Eindruck, dass es uns offensichtlich recht ähnlich ergangen ist ... Und das ist so schade, weil vor allem der Anfang wirklich toll geschrieben war! Danke übrigens, dass du noch einige Kommentare bei der Leserunde dagelassen hast, die werde ich mir nachher nochmal im Kontext mit den anderen Kommentaren durchlesen :).

    Liebe Grüße
    Ascari

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    1. Hi!
      Ja, ich denke auch, dass wir an den gleichen Stellen aus dem Buch "ausgestiegen" sind. Ich war echt geknickt darüber, weil es so genial angefangen hatte und die Idee mich wirklich begeisterte. Wie konnte die Geschichte so abdriften?!
      Ich konnte leider nicht früher in der Leserunde posten. War so mit den Kids beschäftigt über die Feiertage, da ging einfach nichts. Ich habe wirklich Redebedarf und hoffe, dass du evtl. zu meinen Anmerkungen / Fragen was schreibst, oder natürlich auch die anderen. ;-)
      GlG, monerl

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  2. Hallo Monerl,

    Das Buch steht ganz oben auf meiner Wuli und ich hoffe ich schaffe es, es nächsten Monat zu lesen. Die Rezension hast du sehr gut geschrieben, bin echt gespannt wie es mir mit der Geschichte gehen wird.

    LG Sonja Béland

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    1. Hallo Sonja,

      bin soooo gespannt darauf, was du zum Buch sagst! Ich hoffe, dass wir uns danach darüber austauschen. Vielleicht hilft mir das, manches zu verstehen. Jeder hat ja dann doch wieder einen anderen Blickwinkel.

      GlG, monerl

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    2. Würde mich wundern wenn ich da mehr verstehe als du :D ich bin schon richtig neugierig jetzt.

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    3. Das würde ich so nicht sagen! Jeder hat ja irgendwie auch ne eigene Fantasie und Vorstellung und auch Erfahrung. Kann gut sein, dass dir das Ende zusagt, weil du da was rausziehen kannst. Jedenfalls würde ich mich sehr darüber freuen! :-D
      Wenn deine Neugier geweckt wurde, ist das toll! Ich bibber jetzt deiner Meinung entgegen! :-P

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    4. Haha dann muss ich es wohl vorziehen ;)

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    5. Hallo Monerl, mit dem Ende steht und fällt ein Roman oder Krimi. Schade, dass es hier das Ruder nach unten gezogen hat.
      Liebe Grüße, Heike

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    6. Liebe Heike,
      da hast du absolut recht! Bei diesem Buch hier ist es wirklich umso trauriger, da es eigentlich ein so geniales Buch hätte werden können!
      GlG, monerl

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