Buchvorstellung - Mein schlimmster schönster Sommer

#128 Rezension

Mein schlimmster schönster Sommer

Stefanie Gregg
Aufbau Taschenbuch Verlag
Taschenbuch
ISBN: 9783746633213
Rezensionsexemplar 

4 von 5 Sternen

copyright Aufbau Verlag


Buchbeschreibung:

Isabel kommt aus dem Krankenhaus zurück: die Diagnose ist niederschmetternd. Ein Tumor. Männerfaustgroß. Mitten in ihrem Körper. Wie es weitergeht, wird sie erst in zwei Wochen erfahren. Aber wie wartet man auf sein Todesurteil oder seine Lebenschance? Die sonst so rationale Isabel macht etwas, was sie noch nicht getan hat: spontan sein. Auf dem Rückweg vom Krankenhaus kauft sie kurzentschlossen einen alten VW-Bus und bricht auf. Eigentlich will sie in die Provence, aber dann kommt es anders. Es ist eine Reise, bei der sie Abschied vom Leben nimmt und ein ganz neues beginnt.
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Was ist das für ein Gefühl, wenn einem von einer Sekunde auf die andere das Leben weggenommen wird? Wie kann man mit diesem Gefühl und diesem Wissen umgehen?

Isabel entscheidet im Taxi, auf der Rückfahrt von Krankenhaus nach Hause, ihr Leben umzukrempeln und sich Zeit zu gönnen. Zum ersten mal in ihrem Leben. Denn sie ist jung, sehr erfolgreich, in einer guten Beziehung mit Georg und eigentlich glücklich. Das glaubte sie bis jetzt. Doch wenn sie so glücklich war, warum konnte dieses männerfaustgroße etwas in ihr wachsen? Warum fühlte sich dieses Etwas so wohl in ihrem Bauch?

Auf ca. 300 Seiten begleitet man als Leser die neue Isabel, die sich zum Ende ihres Lebens endlich als die wiederfindet, die sie mal sein wollte. Eine spontane Frau, die sich ins Leben fallenlässt, genießt und offenherzig lacht, Menschen kennenlernt und Freundschaften schließt.

Dieses Buch berührt an vielen Stellen. Holt es uns doch wieder zurück zu unserem Kern, um in uns hineinzuhorchen und zu erfühlen, ob wir nach außen hin diejenigen sind, die wir auch wirklich sein wollten. Ob wir auch immer wieder mal innehalten und betrachten, welche Wünsche wir uns erfüllt haben und ob unser jetziger Weg so richitg ist.

Es ist nichts Neues, das Stefanie Gregg uns mit und durch Isabel sagen will. Doch vergessen wir leicht, was im Leben wirklich zählt. 

Isabels Roadtripp ist angehäuft mit Seltsamkeiten, die sie auch nur deshalb erleben darf, da sie endlich die Uhr loslässt, nicht mehr Terminen nachjagt und sich mit Äußerlichkeiten zufrieden gibt. Sie erlebt einen Hippie-Tripp als "Mondenkind" und trifft auf die echte Liebe. 

Für den Leser ist da aber auch noch Isabels Freund Georg. Von jetzt auf nachher ist seine Freundin verschwunden. Erst ist er verärgert, doch dann überwiegt das Gefühl der Sorge und später das der Angst. Ist ihr etwas passiert? Oder hat sie ihn wirklich verlassen? Kann es tatsächlich sein, dass sie entführt wurde

Obwohl mir Georg eher unsympathisch war, darf man ihn nicht vergessen, hat er doch ebenso einen wichtigen Kampf auszufechten. Er muss sich, wie auch Isabel, gezwungenermaßen Gedanken über sein Leben machen und seine Zeit und Liebe mit Isabel erörtern. Und damit entsteht kurz darauf die für mich berührendste Szene des Buches, als er auf einem Bild einer Überwachungskamere Isabel wiedererkennt und sie so doch nicht kennt. Sie ist es! Sie lacht herzlich und dieser Ausdruck auf ihrem Gesicht, genau so wie auf dem Bild, ist ihm fremd. So hat er sie noch nie gesehen. Er erkennt, Isabell ist jetzt glücklich. 

Das Ende war vorauszusehen und doch kam es zu plötzlich. Das ist mein einziger Kritikpunkt. Die Geschichte hätte gut noch 50 Seiten vertragen, um den Protagonisten mehr Tiefe zu verleihen. Kaum hat man sie erfasst, sind sie auch schon wieder weg. Ich hatte durchaus Mitgefühl für Isabell und auch für Georg, hatte Freude empfunden und auch gelacht. Doch irgendwie ist alles etwas oberflächlich geblieben. Ich hatte nicht genug Zeit, um mich im Buch festzuhalten.

Vielleicht war das von der Autorin auch so beabsichtigt. Isabel hat ja auch nicht mehr so viel Zeit für ihr schönes Leben übrig, noch weniger als sie eigentlich denkt. Es könnte somit ein stilistisches Mittel gewesen sein. Aber mir persönlich fehlte irgendwie noch ein bisschen was. Ich wollte auch eine Freundin von Isabel werden, doch für mich war die Zeit zu kurz, um eine tiefe Freundschaft zu schließen.

Stefanie Gregg hat viele bekannte und doch vergessene Weisheiten zwischen diese schönen Buchdeckel gelegt. Es würde den Rahmen sprengen, sie alle hier aufzuschreiben. Deshalb kann ich jedem dieses Buch ans Herz legen. Macht es euch gemütlich und lest es. Und dann prüft, ob ihr glücklich seid. Ich wünsche es euch von Herzen.
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Ich danke dem Aufbau Verlag für die Übersendung dieses Buches als Rezensionsexemplar. 





copyright monerlS



  


 

Kommentare

  1. Liebe Monerl,

    deine Rezension ist richtig schön geschrieben.

    Ich mag Roadtrips und lese auch gerne Bücher in denen Menschen einfach so spontan wegfahren. Deswegen war ich sehr gespannt auf das Buch. Mir hat es aber leider nicht gefallen. Ich mochte Isabel nicht so und kam auch nicht richtig gut mit dem Schreibstil der Autorin klar. Es war mir alles zu kurz und zu abgehackt. Daran, dass das ein stilistisches Mittel sein könnte, hab ich auch gedacht. Aber es hat mir auch mit diesem Gedanken nicht gefallen. Und so sind die Geschmäcker immer wieder unterschiedlich :-)

    Liebe Grüße
    Julia

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    1. Liebe Julia,

      schade, dass es dir letztendlich nicht gefallen hat, aber nicht jedes Buch ist für jeden gleich gut. Ich hätte es auch lieber etwas ausführlicher und intensiver gehabt. Isabel mochte ich. Die anderen Protagonisten sind mir leider etwas zu fad geblieben. Ich bin auf jeden Fall gespannt, quf welche Bücher wir uns von dieser Autorin noch freuen dürfen.

      GlG, monerl

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    2. Liebe Monerl,
      bevor ich es vergesse, schaue ich lieber direkt vorbei :)
      Du hast Recht, das Ende kam etwas plötzlich und ich hätte mir (ohne jetzt zuviel zu verraten) auch gerne ein anderen gewünscht.
      Dennoch war es sehr unterhaltend und herrlich erfrischend :)
      Ein richtiges Abenteuer :)
      Liebe Grüße
      Ela

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    3. Liebe Ela,

      schön, dass es dir auch gefallen hat. Wir müssen mal schreiben, da ich gerne wissen möchte, welches Ende du dir gewünscht hättest! :-)
      Auf so 'ne Bulli-Tour habe ich richtig Lust bekommen, nachdem ich das Buch ausgelesen hatte. Kann mir die Geschichte z.B. sehr gut als Film vorstellen und in der Hauptrolle Felicitas Woll! :-)

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    4. Liebe Monerl,
      gerne - ich schreib dir später mal!
      Eine Verfilmung wäre wirklich klasse, könnte mir das auch sehr gut vorstellen, wobei mir der Name der Schauspielerin grad nichts sagt. da google ich dann später auch mal zu :)
      LG Ela

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    5. Hattest du mir eigentlich noch geschrieben? Nicht, dass ich es übersehen habe...
      Hast du auch Zeit gefunden, nach der Schaupielerin zu googeln?
      GlG, monerl

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  2. Das klingt wirklich gut und nach der richtigen Mischung aus traurig und schön. Das landet auf jeden Fall mal auf meiner Merkliste. Schöne Rezension :)

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    1. Liebe Jacquy,

      sehr schön, wenn ich dir das Buch schmackhaft machen konnte! Es ist auch einen gute Prise Humor in dem Buch, die das schwere Thema auflockert und gut lesbar macht. Viel Spass mit der Geschichte!

      GlG vom monerl

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  3. Hallo liebe monerl,
    vielen Dank für dieses tolle Rezension! Das Buch klingt wirklich nach etwas ganz Besonderem und bei sowas werde ich ja ganz schwach. Allerdings muss ich zugeben, dass ich bei solchen Themen auch immer etwas Angst habe, schließlich kann einen sowas auch selbst ziemlich runterziehen. Ich glaube, ich werde in der Buchhandlung einfach mal in das Buch reinlesen und dann ganz spontan entscheiden. :)

    Ganz ganz liebe Grüße
    Maike

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    1. Hallo liebe Maike,

      Ich würde mich trauen zu behaupten, dass du mit dem Buch keinen Fehler machen und ganz bedenkenlos zugreifen kannst! Das Thema ist schwer aber die Umsetzung ganz leicht und lebensbejahend! Das ist das wirklich Frische an der Geschichte, die ich sehr gerne noch etwas länger genießen wollte. Bin auf deine Meinung gespannt, falls du dich dazu entschließt, das Buch doch zu lesen.

      GlG vom monerl

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