Buchvorstellung - Meine geniale Freundin

#121 Rezension

Meine geniale Freundin - Die Neapolitanische Saga 1

Elena Ferrante

Gelesen von: Eva Mattes
Spieldauer: 11 Stunden 43 Minuten
Version: ungekürzt
Verlag: Der Hörverlag
Erscheinungsdatum: 01. September 2016
Sprache: Deutsch 

Originaltitel: L´amica geniale
Originalsprache: Italienisch
Übersetzer: Karin Krieger 

5 von 5 Sternen
copyright Randomhouse



Buchbeschreibung:

Eine Freundschaft als Spiegel einer Stadt, einer Nation, einer ganzen Generation

Im Alter von 66 Jahren erfüllt sich Lila einen Traum: Sie verschwindet von einem Tag auf den anderen. Zurück bleibt ihre beste Freundin Elena und schreibt ihre gemeinsame Geschichte nieder: In den 1950er Jahren wachsen sie am Rande Neapels auf. Elena erzählt vom Alltag der kleinen Leute, vom Zugschaffner Donato, der Gedichte schreibt, vom tyrannischen Don Achille, von den Solara-Brüdern, die sonntags mit ihrem Auto den Corso abfahren. Von Mädchenträumen und erster Liebe. Doch auch wenn ihre Lebenswege nicht parallel verlaufen, da Elena das Gymnasium besuchen darf, als Lila schon auf ihre Hochzeit zusteuert, bleibt eines unverbrüchlich: ihre Freundschaft.
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Das Buch ist in aller Munde, wirklich in ALLER Munde! Nicht immer verheißt das etwas Gutes und deshalb wollte ich eigentlich noch ein bisschen warten, um zu sehen, ob die Geschichte etwas für mich ist. Es klingt seltsam, doch dass #FerranteFever hatte mich dann so unkontrolliert erfasst, dass ich mich gar nicht erwehren konnte. Und ich habe es nicht bereut!


Die ungekürzte Lesung landete auf meine Ohren und in mein Herz.

Lila, ist verschwunden. Sie hatte es einige Male angekündigt und nun im alter von 66 Jahren umgesetzt. Elena erinnert sich daran, dass Lila sich auslöschen wollte. Ist es ihr jetzt doch endlich gelungen? Ich folge gespannt der erwachsenen Elena, der fiktiven Ich-Erzählerin, in die Vergangenheit und lerne den Rione und das Italien der fünziger Jahre kennen.
Wer "Maria, ihm schmeckt´s nicht" von Jan Weiler gelesen oder gehört hat, hat bereits eine (wage) Vorstellung davon, wie sich "italienisches Sippenflair" anfühlt und dass sich Italien und Italiener in vielen Punkten deutlich von uns Deutschen unterscheiden. Alleine schon, wie oft und wie sehr im Buch die reine italienische Sprache, den verschiedenen italienischen Dialekten gegenüber, hervorgehoben und erwähnt wird, mag dem einen oder anderen Leser / Hörer etwas ungewöhnlich erscheinen. Aber es ist auch heute noch so, dass sehr gebildete Menschen und die, die etwas auf sich halten und Karriere machen wollen, unbedingt italienisch (am besten) akzent- und dialektfrei sprechen müssen. Dies wurde mir viele Jahre von italienischen Freunden immer und immer wieder gesagt, erklärt und anhand von Beispielen gezeigt, dass ich es heute absolut verinnerlicht habe. 

Jahrelange Urlaube in Italien und Gespräche mit italienischen Freunden bestätigen und zeichnen genau das Bild, das auch Elena Ferrante in ihrer Neapolitanischen Saga beschreibt:
Mädchen sehen sich als Rivalinnen, sie kämpfen um das Ansehen untereinander, um den schönsten Jungen, um den besten Ehemann, um die angesehendste Familie, um die Vorherrschaft der eigenen oder eingeheirateten Sippe... Das Mädchen- und Frauenbild, das Elena Ferrante zeichnet ist leider nicht überspitzt. Auch gibt es vielerorts heute noch für viele Mädchen und Frauen keinen anderen (Lebens)Weg als den einer Ehefrau und Mutter. Sie freuen sich auf das Wochenende, machen sich schick für den Lauf entlag des Corsos. Ein Stolzieren, das Sehen und Gesehenwerden, das Präsentieren und Abchecken von potenziellen Bräuten und Bräutigamen ist fast schon eine olympische Disziplin.

Und genau mittendrin in diesem Gefüge leben die beiden Mädchen Elena und Lila und werden irgendwann zufällig Freundinnen. Doch beide verbindet nicht die klassische Freundschaft. Eigentlich gibt die unbeugsame, unwillige, vorlaute, sich in Szene setzende, unwirsche und dominante Lila den Ton an und Elena versucht permanent ihr das Wasser zu reichen und bestenfalls, sie zu übertrumpfen. Einen Trumpf hat sie: Elenas Vater ist Pförtner in der großen Stadt, Lilas Vater nur ein kleiner Schuster im Rione, einem ärmlichen Vorstadtviertel von Neapel, wo beide Familien wohnen. Beide Mädchen träumen von einer besseren und schöneren Zukunft, von ihrer Unabhängigkeit und von Reichtum. Sie wollen gemeinsam ein Buch schreiben, reich und berühmt werden. Aber auch da muss Elena feststellen, dass Lila die Gesegnete von beiden ist. Sie hat eine Art zu schreiben und sich auszudrücken, an die sie, Elena, nicht herankommt, obwohl nur sie das Privileg erhalten hat an eine weiterführende Schule gehen zu können. Lila muss im Rione bleiben und ihrer Mutter im Haushalt helfen. Äußere Umstände trennen und verbinden die Mädchen immer und immer wieder. Mal sind sie unzertrennlich, mal sehen sie sich lange Zeit nicht und wechseln kein Wort. In diesen Phasen der "Trennung" scheint aber immer nur Elena unter der Situation zu leiden, da sie sich immer über Lila, Lilas Wesen, Denken und Handeln definiert anstatt ganz eigenständig ihren Weg zu suchen, um Erwachsen zu werden. Diese "Abhängigkeit" hat in mir öfters den Wunsch hervorgebracht, Elena zu schütteln und ihr einen eigenen Weg zeigen zu wollen. War mir anfänglich Elena lieber, schwenkte meine Sympathie in Laufe der Geschichte aber zu Lila.

Immer wieder bewunderte ich die Autorin für ihr Fingerspitzengefühl beim Erzählen und Formen der Charaktere. Die Hauptprotagonistinnen und auch alle Nebenfiguren sind so hervorragend beschrieben und bildlich stark, dass es eine Wonne war, ihnen zu folgen und sie beim Erwachsenwerden zu begleiten. Auch die erste Liebe findet ihren Weg in die Geschichte und damit der Kampf der Geschlechter. Das Bild des Mannes der fünfziger Jahre ist kein wirklich schönes. Ehemänner schlagen ihre Ehefrauen und Töchter, natürlich nur aus Liebe. Männer betrügen, Brüder bevormunden, Verlobte fordern, und immer scheint es, als hätten die Frauen wenig bis kaum etwas zu sagen und zu entscheiden. Kriminalität und Korruption sind an der Tagesordnung.

Ja, es ist eine epische Erzählung. Sie ist sehr detailreich und intensiv. Doch gelingt es Ferrante ganz langsam eine Spannung zu erzeugen, die den Leser und Hörer immer weiter in die Geschichte treibt. Viele Fragen kommen auf: Wie werden sich die beiden Mädchen entwickeln? Welchen Weg werden sie einschlagen? Wen werden sie heiraten? Werden sie sich aus ihren Zwängen befreien? Werden sie ihre Träume verwirklichen? Wird ihre Freundschaft ein Leben lang halten? Und letztendlich treibt einen die Antwort auf die eigeleitete Frage voran: Was ist mit Lila passiert?

Eine geniale Geschichte, die als Hörbuch ganz genial funktioniert! Eva Mattes bringt reinen Hörgenuss. Mein Ohr hing an ihren Lippen. Und nun möchte ich mehr! Auf zu Teil 2, zur Geschichte eines neuen Namens...





copyright monerlS


Kommentare

  1. Hey!
    Ich muss gestehen, dass ich von dem Buch noch gar nichts gehört hatte. Ich bin da allerdings manchmal auch nicht so gut informiert.
    Deine Rezension hört sich aber wirklich an, als wäre das auch ein Buch nach meinem Geschmack. Ich mag solche Schicksalsromane sehr.
    Herzlichen Dank fürs auf den Geschmack bringen.
    LG
    Yvonne

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    1. Hallo Yvonne,
      wo treibst du dich rum, dass du noch nichts von dem Buch gehört hast?! :-D Bin ich froh, dass ich dich nun aufklären konnte und wie es scheint, dich vielleicht sogar für die Geschichte begeistern konnte! So wie du schreibst, scheint es das richtige Buch für dich zu sein. Falls du es liest, ich bin unbedingt auf deine Meinung gespannt!
      GlG vom monerl

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  2. Hallo Monerl,

    das stimmt, das Buch ist wirklich in aller Munde. Mich macht das immer gleichermaßen neugierig wie skeptisch.

    Im Fall Ferrante überwiegt immer noch meine Skepsis. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie denke ich, dass das Buch nichts für mich ist. Unabhängig davon finde ich deine Rezension aber sehr schön geschrieben und würde mich sicher auch neugierig auf das Buch machen, wäre da nicht diese Skepsis.

    Ich denke, ich werde es einfach mal drauf ankommen lassen. Wenn mir das Buch wie auch immer begegnet werde ich es lesen, ansonsten nicht.

    LG & einen schönen Abend,
    Julia

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    1. Liebe Julia,
      du kannst dich ja noch treiben lassen und wenn dann alle vier Teile auf deutsch erschienen sind, vielleicht dann die ganze Geschichte in einem Rutsch durchlesen. Manchmal brauchen bestimmte Themen und Geschichten den richtigen Zeitpunkt. Zuerst ging es mir auch so. Ich wusste nicht, ob das Buch so gut sein konnte, wie so viele geschrieben haben. Und dann dachte ich, ich wage den Sprung! Falls es mir nicht gefallen hätte, gäbe es jetzt eine Rezension, die in die andere Richtung geht. Wäre ja auch nicht schlimm. Es kann ja nicht jedem alles gefallen. Doch diese Geschichte gefällt vielen zurecht. ;-)
      Mein Tipp an dich: überstürze nichts! Wie heißt es so schön, Papier ist geduldig...
      GlG, monerl

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  3. Hallo Monerl,
    das Buch habe ich (ganz uneigennützig) vor kurzem verschenkt und werde es mir dann ausleihen ;-) Bin schon gespannt, wie es mir gefallen wird, hört sich aber sehr vielversprechend an.
    LG
    Thomas

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    1. Hallo Thomas,
      das Buch ist absolut vielversprechend! Ich höre derzeit Teil 2 und der ist noch einen Ticken besser. Alles verzweigt sich wunderbar und das Schicksal nimmt seinen Lauf.
      LG, monerl

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  4. Huhu :)
    Ich habe bis vor kurzem weder von der Autorin noch von dem Buch gehört und in dieser Woche gleich zwei so positive Rezensionen gelesen, jetzt bin ich richtig neugierig geworden. Ich kann mit vorstellen das es mir auch leid Hörbuch gefällt, weil es aber vier Teile werden sollen werde ich noch warten bis auch alle erschienen sind. Die Reihe meiner unvollständig erschienen Hörbuchreihen ist mittlerweile eindeutig zu lange.
    Danke für die schöne Rezension!

    LG Sonja

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    1. Hallo Sonja,
      das ist die Autorin, von der quasi nichts bekannt ist, als ihr Pseudonym. Und ein (ich glaube, es war ein italienischer Journalist) Journalist hat alles dran gesetzt, um das Pseudonym zu öffnen. Danach gab es hitzige Diskussionen, ob ein Autor sich Preis geben sollte oder ob man respektieren muss, wenn er nicht sagen möchte, wer er / sie ist.

      Ich kann verstehen, dass du noch warten willst. Mir geht es bei Reihen auch oft so, dass ich dann alles auf einmal lesen will. Ich habe mich aber vom Ferrante-Fieber anstecken lassen und konnte nicht warten. Das wird sich nach Teil 2 sicherlich rächen, da ich unbedingt weiter lesen / hören möchte.
      Ich freue mich jedenfalls sehr, wenn auch ich dir das Buch oder sogar das Hörbusch schmackhaft machen konnte! :-)
      GlG, monerl

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  5. Liebe Monerl,

    wie interessant dein Blog erscheint. Wie sich alles sanft bewegt, wie alles gestaltet ist. Klasse. Anfangs hatte ich allerdings ein paar Problemchen mich zurecht zu finden ;-). Darf ich dich fragen, wie du diese wunderschöne Bildergalerie mit deinen Beiträgen hinbekommst?

    Viele liebe Grüße

    Nisnis

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    1. Liebe Nisnis,

      danke für deinen Kommentar und für das schöne Kommpliment! :-) Ich bin froh, dass du dich doch noch zurechtfinden konntest! Leider kann ich die Sidebar rechts, die sich immer wieder schließt, nicht offen anpinnen. Habe es schon versucht.

      Was meinst du mit Bildergalerie? Weiß leider nicht genau, was du meinst. Ich habe mich bei Blogspot für die dynamische Ansicht entschieden. Deshalb werden meine Beiträge immer so einzeln eingeblendet. Wenn du oben links unter -monerS-bunte-welt auf den Pfeil bei -Timeslide- gehst, kannst du dir den Blog auch auf die classische Art anzeigen lassen oder in Magazinform usw. Teste es einfach mal aus. ;-) Ist interessant! Vielleicht habe ich dir damit deine Frage bereits beantwortet. Und wenn nicht, dann gib mir nochmals Bescheid. Wäre doch gelacht, wenn wir keine Antwort finden.

      Ganz liebe Grüße zurück, monerl

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    2. Liebe Monerl,

      es ist glaube ich deine Wahl zur dynamischen Ansicht. Die war mir bisher fremd. Ich hatte eine deiner Seiten gesehen, in denen alle Cover bzw. Bilder deiner Posts wie in einer Galerie nebeneinander erscheinen. Ich suche nämlich schon sehr lange eine Möglichkeit Bilder wie in einer Galerie anzuordnen.

      Wenn du mir aber bitte noch sagst wo ich deine Follower Buttons finde, dann bin ich schon mal echt glücklich :-).

      Liebe Grüße Nisnis

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    3. Ja, dann war das die Snapshot- oder Flipcard-Ansicht. :-)

      Folgen kannst du mir derzeit "nur" über Dashboard, indem du meine URL in deine Leseliste bei Blogspot eingibst, über eMail, RSS Feed oder eben über Facebook ( https://www.facebook.com/monerlS.bunte.Welt/ )

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      Leider hat diese dynamische Ansicht auch Nachteile und die habe ich mit den Follower-Buttons. Habe es noch nicht hinbekommen, sie richtig einzubetten. Aber ich arbeite dran! Ich hoffe, dass dir das eMail-Folgen erstmal reicht und Freude bereitet. Soweit ich weiß, klappt das jedenfalls einwandfrei. hihi

      Herzliche Grüße vom monerl

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