AutorenINTERVIEW - Brigitte Riebe

#1 Autoreninterview

Autorin Brigitte Riebe

Liebe Brigitte,

ich freue mich sehr, dass ich mit Dir meine neue Rubrik "Autoren-Interviews" einläuten darf. Herzlich Willkommen in MonerlS bunte Welt!

Mein neues Lesejahr hat begonnen. Ich nehme an, dass Du auch gesund und fröhlich nach 2017 gerutscht bist und dass Filou entpannt dem Feuerwerk zusehen konnte. Oder ist er doch ein kleiner Angsthase? ;-)

Brigitte:
Filou hat keine Angst vor Böllern. Er surft sogar auf dem Staubsauger (ohne Witz!),  während seine Vorgängerin Luna schon in den Schrank gekrochen ist, wenn im Fernsehen ein Telefon geklingelt hat. Sie sind so unterschiedlich wie wir ….


Meine Welt dreht sich um Katzen, Ägypten, Waisenkinder usw. aber zur Zeit vorwiegend um Bücher. Da meine beiden kleinen Töchter mir nicht sehr viel freie Zeit lassen, gibt es hier die meisten Informationen über Bücher. Mein einziges großes Hobby, bis die beiden etwas älter sind.

Und mit meinen Themenschwerpunkten bin ich auch schon gleich bei Dir gelandet, denn meine derzeitige Lektüre heißt "Auge des Mondes" und ist von Dir. Es geht um das Alte Ägypten zur Pharaonenzeit, um Bastet, die Katzengöttin und um viele Katzen, die auf seltsame Weise verschwinden. Mit diesem Buch überschneiden sich unsere Welten sehr intensiv! Meine Recherchen haben ergeben, dass Du schon einige Bücher über Ägypten und auch über und mit Katzen geschrieben hast.  

Was oder wer hat Dich dazu inspiriert?

Brigitte:
Ich liebe Katzen, seitdem ich denken kann – durfte aber als Kind niemals eine haben. Für mich sind sie wunderschön und majestätisch, und ich kann gut verstehen, dass sie im Alten Ägypten als Götter verehrt wurden. Das Alte Ägypten ist meine andere große Liebe – und das „neue“ Ägypten mag ich ebenfalls sehr gern. Ich war 30, als ich das erste Mal an den Nil reisen konnte und hatte zuvor schon jede Menge Bücher darüber gelesen – aber wer bereitet einen so richtig vor, wie unglaublich schön die Mondsichel am Wüstenhimmel steht? Mich hat es getroffen wie ein Schlag – und ich war diesem wunderschönen Land verfallen. Seiner Geschichte, seinem Strom, seinem Klima – und seinen Menschen. Seit diesem Augenblick habe ich von eigenen Bücher über Ägypten geträumt, jenem afrikanischen Land, dem wir so großen Reichtum verdanken.
Und so hat alles angefangen mit Sahti, meiner Schwarze Frau vom Nil, die aus nubischen Augen auf die ägyptische Kultur schaut …



Hast Du unter deinen Ägypten-Büchern ein Lieblingsbuch?

Brigitte:
Ich mag sie alle vier, aber am meisten vielleicht doch „Isis“, weil es für mich das tiefste ist. Der Isis-Osiris-Kult ist das Herzstück der altägyptischen Religion, und ich hab ihn unterlegt mit der Geschichte der ungleichen Brüder Kain und Abel aus dem Alten Testament. Ich habe vier Jahre gebraucht, um wirklich die Mythen jener Kultur halbwegs zu begreifen; dieses Wissen ist in diesen Roman eingeflossen (deshalb ärgert es mich, wenn ahnungslose Leser es als "dunkel" und "bedrückend" abtun. – Sind zum Glück nur Einzelfälle. Der Kampf zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Gut und Böse ist niemals ein Ponyhof, sondern es geht stets ans Eingemachte. Darum dreht sich mein Roman „Isis“, und dafür liebe ich ihn. 



Ich gehe davon aus, dass das erste Buch einem Autor ganz besonders ans Herz gewachsen ist. Welches Buch war das bei Dir und wie ist heute Dein Gefühl zu diesem Buch? Bist Du noch "stolz" darauf oder denkst Du eher "Oh nein, das war so unausgereift, im Vergleich zu all den neueren Büchern"?

Brigitte:
Angefangen hat alles an einem regnerischen Sonntag, als ich Tom Waits hörte, Ranke-Graves las und mir dachte: Das mit dem kretischen Labyrinth war doch ganz anders, als wir es in der Schule gelernt haben. In meinem Roman „Palast der blauen Delphine“ ist nicht Theseis der Held (der ist eher ein Würstchen), sondern Asterios, der erste männliche Priester der Großen Mutter, die auf Kreta verehrt wurde, der beim Kult eine Stiermaske trägt.
Ich beschreibe die Phasen seiner Initiation – und ja, dieser Roman war auch für mich eine Initiation, in vielerlei Hinsicht. Vier Fassungen, der Mut, meinen gut bezahlten Lektoratsposten zu verlassen, eine tückische Exkollegin, die mich austricksen und bis an den Rand der Mutlosigkeit treiben wollte, eine Ehe, die in die Brüche ging, schließlich der Neuanfang im renommierten Piper-Verlag mit einem traumhaften Lektor, der mir  so vieles beigebracht hat – das ist alles mit dem Entstehen dieses Stoffs verbunden – und wird ihm bis zu meinem letzten Atemzug eine Sonderstellung geben. Natürlich schreibe ich heute anders – erfahrener, konziser, routinierter, aber viele meiner Leser lieben diesen Roman genau deshalb, weil er so ist, wie er ist.
Und nein, Asterios und seine Abenteuer kann man einfach nur so schreiben! Und 16 Auflagen sprechen doch eigentlich auch für sich, oder ;)




Wann hattest Du entschieden, dass du nun auch selber Bücher schreiben möchtest? Gab es da ein einschneidendes Erlebnis?

Brigitte:
Ich bin schon als Gechichtenerzählerin zur Welt gekommen und habe seit ich 6 bin und schreiben konnte, irgendwie immer etwas geschrieben. Meinen ersten Roman mit 8 in ein Schulheft (Beweise existieren noch). Dann habe ich nach dem Abi Geschichte und Germanistik studiert (auch das wissenschaftliche Schreiben mochte ich) und die nach dem schrecklichen bayerischen Staatsexamen f. das Schreiben meiner Dissertation als Freiheit und Vergnügen empfunden – endlich das tun, was ich immer schon wollte.
Aber man muss ja schließlich Geld verdienen …
Nach ein paar Umwegen bin ich schließlich im Lektorat gelandet, und die Arbeit dort habe ich sehr gemocht. Menschen und Themen zusammenzubringen – das war ganz mein Ding, und die verschiedenen Persönlichkeiten, die ich dort traf, haben mich beflügelt. Ganz besonders der große Filmemacher Edgar Reitz, den ich vor 30 Jahren kennenlernen durfte, und mit dem zusammen ich ein schönes Buch gemacht habe. (Wir sind bis heute eng befreundet). Damals war sein Filmepos HEIMAT ein Riesenerfolg, europaweit,  aber nicht, weil er sich angepasst hatte, sondern gerade, weil er das erzählt und gezeigt hat, was er erzählen und zeigen wollte. Ihn hab ich mir zum Vorbild genommen und gedacht: „So sieht Kreativität pur aus. Und jetzt versuchst du es auch …“
Manchmal frage mich, woher ich den Mut genommen habe, aber ich hab es getan – und nicht einen Tag bereut …




Du schreibst auch über Griechenland bzw. die griechische Mythologie. Was reizt Dich an dieser? Fällt es Dir leichter über alte griechische Gottheiten zu recherchiere und zu schreiben oder über die ägyptischen Pharaonen?

Brigitte:
Ich könnte Dutzende von griechischen Stoffen schreiben, die mich kaum minder reizen als die altägyptischen, aber im Moment gibt der Markt das nicht her – sagt zumindest mein Verlag. Vieles, was wir kennen, muss in meinen Augen neu interpretiert werden, u.a. die Figur der Medea, für die ich schon eine prima Idee hätte …

Mals sehen, vielleicht ändert sich das ja noch zu meinen Lebzeiten: Ich bin jedenfalls bereit  (In „Palast der blauen Delphine“ ist die schönste Frauenfigur übrigens die Halbägypterin Hatasu) …




Mein erstes Buch von Dir war "Die schöne Philippine Welserin". Ich fand es sehr spannend! So sehr, dass ich mich nach Beendigung des Buches an meinen PC gesetzt habe und über die Figur Philippine Welser und Ferdinand II. Erzherzog von Österreich mehr erfahren wollte. Was hatte Dich dazu bewogen, über die beiden ein Buch zu schreiben?

Brigitte:
Weil es für mich die schönste Liebesgeschichte des 16. Jahrhundert ist – und einfach so spannennd … Außerdem habe ich eine neue Art zu schreiben ausprobiert (Wechsel von Tagebuch zu auktorialem Erzähler), was ich sehr mochte …




Du hast ja auch noch eine Vielzahl historischer Romane geschrieben. Gibt es eine Epoche, die Dich mehr interessiert als andere und wenn ja, warum?

Brigitte:
Eigentlich mag ich persönlich das 18. Jahrhundert am liebsten, weil ich die Aufklärung so wichtig finde. Ausgerechnet aus dieser Zeit gibt es (noch) keinen historischen Roman von mir. Aber ihr werdet bald Lektüre aus dem 20. Jahrhundert von mir zu lesen bekommen (mein zweites Schwerpunkthema) …




Aber auch im Genre -Krimi- fühlst Du dich zu Hause. Unter dem Pseudonym Lara Stern gibt es die "Dr. Sina Teufel - Reihe". Wird es von Lara Stern irgendwann noch mehr Krimis geben oder hat das Pseudonym Felicitas Gruber, das Du zusammen mit Gesine Hirsch führst, dieses Genre nun übernommen?

Brigitte:
Sina Teufel gehört in die Neunziger Jahre und ist abgesschlossen. Felicitas Gruber (zusammen mit Gesine Hirsch) ist wiederum ein anderes Krimigenre, in dem der Humor eine größere Rolle spielt. Ich kann mir noch ganz andere Verflechtungen vorstellen, z.b. historische Krimis – einer davon reift schon seit längerem in mir: mal sehen …




Deine Themen- und Buchvielfalt hatte mich dazu gebracht, meine eigene Autoren-Challenge zu kreieren. Ich möchte möglichst viele Bücher von einem Autor, in diesem Falle von Dir, lesen. Auf was können sich Deine Leser und ich uns noch freuen?
Gibt es etwas, sprich, ein Thema, ein Genre, eine Epoche, eine Figur... das Du in Zukunft noch ausprobieren oder Dir noch einen langersehnten Wünsch erfüllen möchtest?

Brigitte:
Ich will noch vieles ausprobieren (siehe oben): am meisten interessiert mich derzeit die Verflechtung von Geschichte und (Familien)Geschichten … da werdet ihr noch einiges von mir zu lesen kriegen …




Jetzt im Februar erscheint "Zapfig", der vierte Band der Krimiserie -Die Kalte Sofie-, den du mit Gesine Hirsch als Felicitas Gruber schreibst. Wie muss man sich so ein Gemeinschaftsprojekt vorstellen? Gibt es eine bestimmte Arbeitsteilung? Oder eher eine Themen- oder etwa eine Kapitelteilung? Ich muss ja gestehen, dass ich nie und nimmer gemerkt hätte, dass diese Reihe von zwei Autorinnen geschrieben wird. Das ist eine Meisterleistung!

Brigitte:
Danke dir! Wir plotten gemeinsam, erst „grob“ (Storyentwurf), dann „fein“, d.h. die jeweils nächsten Kapitel. Wir schreiben sie abwechselnsd, die andere feilt dann drüber – das geht nur bei großer gegenseitiger Zuneigung, bei Vertrauen und Achtung – und so ist es bei uns. Könnte ich mir mit einem anderen Menschen als Gesine nur schwer vorstellen, aber mit ihr ist es einfach SUPER.
 




Zum Abschluss möchte ich wissen, welches dein Lieblingsbuch ist und warum?!  Die meisten, vielleicht auch Du, haben mehrere Lieblingsbücher und können sich kaum entscheiden. Was ich absolut verstehen kann! Aber gibt es eines, das, evtl. auch nur zur Zeit, einen kleinen Ticken die Nase vorn, vor allen anderen Lieblingsbüchern, hat?
Meines ist "Wenn ich einmal groß bin" von José M. de Vasconcelos. Kurioserweise gibt es das Buch auch unter dem Titel "Mein kleiner Orangenbaum". Zu diesem Buch sage ich immer: "Das ist das Buch, das ich mit ins Grab mitnehmen möchte!"
Welches ist Deines?

Brigitte:
"Madame Bovary" von Gustave Flaubert – für mich die ganz große Buchkunst. Habe ich, seit ich 20 bin, in jedem Jahrzehnt meines Lebens wieder gelesen und immer wieder Neues Entdeckt. Ja, damit könnt ihr mich gern auch eines Tages begraben …



Liebe Brigitte,
herzlichen Dank, dass Du dir die Zeit genommen hast mich in meiner bunten Welt zu besuchen und sie dadurch noch etwas bunter gemacht hast! Danke für diese ausführlichen und persönlichen Antworten zu den Momenten in deinem Leben, an denen wir nun teilnehmen durften! Es war mir eine große Freude mich mit Dir (schriftlich) zu unterhalten. Ich bin sehr gespannt, mit welchen Büchern Du uns Leser weiterhin erfreuen wirst. Viel Erfolg für Deine neuen Projekte und viele Grüße an das Schlitzohr Filou, der so nett die Gewinner Deiner Buchverlosungen auslost. Falls es mich dieses Jahr wieder kurz nach München verschlägt, können wir hoffentlich einen weiteren Plausch, diesmal von Angesicht zu Angesicht, wagen!

Bis dahin alles Gute wünscht Dir das Monerl


Brigitte:
Das machen wir unbedingt und danke für die schönen Fragen! Deine Brigitte  




Kommentare

  1. Hey :)

    Großes Kompliment für dein Interview!! Ich lese zwar nicht so oft welche (Ich gestehe ganz kleinlaut), aber dieses hier hat mir sehr gut gefallen. Ich glaube, ich habe vor Jahren mal ein Buch von Brigitte Riebe gelesen, weil Annik Rubens von "Schlaflos in München" (Den Podcast habe ich früher sehr gerne gehört) immer wieder von ihr gesprochen hat ... Ich weiß aber nicht mehr, was es für eins war. Könnte eines der ägyptischen Bücher gewesen sein, aber sicher bin ich mir nicht.

    Auf jeden Fall vielen Dank dafür, dass du dir die Mühe gemacht hast, liebe Monerl, ich weiß, wie viel Arbeit da drinsteckt.

    Liebe Grüße
    Ascari

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    1. Liebe Ascari,

      danke für dein Kompliment! Dann bin ich jetzt aber sehr froh, dass du das Interview gelesen hast, wenn du schon sagst, dass dich das sonst eher weniger interessiert! :-)
      Ich kann dir die Autorin mit allen ihren Pseudonymen absolut empfehlen. Das schöne ist ja, dass sie verschiedene Genres bedient. Das finde ich wunderbar! Konnte im Interview auf das alles gar nicht eingehen...

      Ich hoffe, ich kann dich mit meinen nächsten Interviews auch als Leserin gewinnen und dich bereichern. :-)

      Herzliche Grüße, monerl

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  2. Hallo :)

    das ist ein wirklich schönes Interview und ich habe es gerne gelesen. Von Brigitte Riebe habe ich auch schon was gelesen und es liegt auch noch ein Buch von ihr auf meinem SuB. Das werde ich nun bestimmt mit etwas anderen Augen lesen.

    LG
    Julia

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    1. Liebe Julia,
      vielen Dank! Ich freue mich, dass dir das Interview gefällt. Mir hat es großen Spaß gemacht.
      Welche Bücher sind das, die du von Brigitte hast?
      Liebe Grüße, Monerl

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    2. Hallo Monerl,

      ich habe von ihr noch "Pforten der Nacht" auf dem SuB liegen. Gelesen habe ich "Die Hüterin der Quelle" und "Die Prophetin vom Rhein".

      LG
      Julia

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  3. Ich habe das Interview mit großem Vergnügen gelesen.
    Von Brigitte Riebe kenne ich "Die schöne Philippine Welserin" und bin ein großer Fan von der "kalten Sophie" - insofern fand ich die Fragen spannend, die sich um das gemeinsame Schreiben mit Gesine Hirsch drehen.

    LG Gabi

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    1. Liebe Gabi,
      es freut mich sehr, dass es auch für dich Interessantes und Spannendes gab. Ich habe versucht darauf zu achten, dass ich Fragen finde, die einerseits interessant für mich sind aber auch für die Leser sowie für die Autorin. Und wenn für viele Leute dabei Neues hervorgekommen ist, umso schöner! <3
      GlG vom monerl

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