Buchvorstellung - Wo Milch und Honig fließen

#105 Rezension


Wo Milch und Honig fließen

Grace McCleen

DVA
Fester Einband
ISBN: 9783421045461 

4,5 von 5 Sternen 



copyright random house


Buchbeschreibung:

Ein Roman, so großherzig und unwiderstehlich, dass er nur ein Wunder sein kann!

Menschen aus Pfeifenputzern, Häuser aus Keksschachteln, Wattewolken und ein Spiegelsee. Die zehnjährige Judith hat sich in ihrem Zimmer eine kleine Welt geschaffen, ganz für sich allein. In der Schule wird sie gehänselt, weil sie anders ist, sich von der sündigen Welt fernhalten muss. Ihr streng religiöser Vater hat kein Ohr für ihre Nöte, die Mutter hat sie nie kennengelernt. Vielleicht, denkt Judith, wenn ich es hier drinnen schneien lasse, mit Rasierschaum, Watte und Daunenfedern, fällt am Montag die Schule aus. Als sie am nächsten Tag die Vorhänge öffnet, ist tatsächlich alles weiß. Judith hat ihr erstes Wunder bewirkt. Und damit fangen ihre Probleme erst richtig an … Grace McCleen hat einen herzzerreißenden Roman über Gut und Böse, Glaube und Zweifel, über Liebe, Verlust und Erlösung geschrieben, mit einer bezaubernden jungen Heldin. Ein Schicksal, das tief bewegt.

“Unvergesslich ... überraschend, rührend, zum Nachdenken anregend und vielschichtig: je mehr Zeit man mit McCleens Roman verbringt umso kraftvoller wird er.“ The Guardian
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Dieses Buch hat ziemlich lange in meinem RuB (Regal ungelesener Bücher) verweilen müssen, weil ich mich nicht so richtig an die Geschichte getraut habe. Es gab viele negative Stimmen dazu, was meine erste Vorfreude gebremst hatte. Nun endlich war die Zeit gekommen, das Buch zu erlösen und ich bin froh, dass ich der Geschichte eine echte Chance gegeben habe.

Ich dachte erst, dass es sich hierbei um eine religiöse Geschichte handelt, die sich mal wieder eine bestimmte Religion herausgepickt hat und dann verbal darauf herumreitet. Aber - Gott sei Dank - weit gefehlt!

Ja, das Thema Religion ist hier präsent, aber im Sinne eines religiösen Wahns.

Die kleine Judith lebt alleine mit ihrem Vater zusammen und ihr Alltag beinhaltet, außer dem Gang zur Schule, quasi ausschließlich das Befolgen von religiösen Vorschriften, Bibelkunde und das (An)Werben von neuen Mitgliedern. Dadurch wird sie zu einer Aussenseiterin in der Schule. Ein leichtes Opfer, das insbesondere von einem ihrer Klassenkameraden, Neil Lewis, gehänselt und gemobbt wird. Sie erfährt keine Unterstützung, denn sie hat keine Freunde, der Lehrer interessiert sich nicht für seine Schüler und auch ihr Vater hört ihr nicht zu. Es fehlt ihm an Empathie und Aufmerksamkeit seiner Tochter gegenüber. Als Leser leidet man mit Judith, da man die ganze Geschichte aus ihrer Ich-Sicht erfährt.


Eines Tages droht Neil Judith damit, ihren Kopf in die Toilette zu stecken und Judith ist sich sicher, dass sie dabei sterben wird. Durch ihre große Angst davor und durch ihren großen und festen Glauben an Gott stellt Judith unerwartet endlich die direkte Verbindung zu Gott her. Endlich spricht er mit ihr, wie sie es sich schon so lange gewünscht hat und Judith entdeckt ihre Gabe Wunder zu wirken! Doch - ist es wirklich Gott? Was sind das für Wunder?


Die Autorin hat eine sehr schöne Geschichte über ein Mädchen geschrieben, das in vielerlei Hinsicht einiges zu ertragen hat. Sehr einfühlsam wird auf verschiedene Problematiken eingegangen wie Mobbing, streng religiöser Glaube, seelische Vernachlässigung eines Kindes mit der Verbindung des Sich-selbst-Überlassens. Dies alles ist eine schlimme Mischung und führt zu einer immensen seelischen Belastung für das arme Kind. Kaum ein Erwachsener könnte damit fertig werden, wie soll das dann ein zehnjähriges Kind ertragen? 

Diese Frage stellte ich mir im Laufe des Lesens und hatte schon leichte Bauchschmerzen, wenn ich an das Ende dachte. Wie kann so eine Geschichte enden? 

Doch Grace McCleen hat es geschafft mich zu überraschen! Es spitzte sich dramatisch zu und dann kamen Wendungen, die ich nicht erwartet hatte und die ich mir vorab auch so nicht hatte vorstellen können. 

Das Buch ist inhaltlich schwere Kost, die durch schöne Sprache und Sensibilität (auch den Protagonisten gegenüber) sehr lesbar und verdaulich präsentiert wird. 
Zu einem halben Stern Abzug von der vollkommenen Sternenzahl führte das für mein Gefühl etwas überhastete Ende. Dieses hätte ich mir ein bisschen langsamer und ausdrucksstärker gewünscht. Ein paar Seiten mehr, hätten dem Buch auf keinen Fall geschadet.






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