Buchvorstellung - Sieben Frauen aus Tripolis

#91 Rezension

Sieben Frauen aus Tripolis

Kamal Ben Hameda
Ullstein Buchverlage / List  / Graf Verlag
Fester Einband
ISBN: 9783862200238

3 von 5 Sternen 

copyright Ullstein Buchverlage


Klappentext:
Für den libyschen Autor Kamal Ben Hameda war das Tripolis seiner Kindheit eine Stadt der Frauen. Fasziniert lauschte der kleine Junge den Geschichten seiner Mutter und ihrer Freundinnen. Ihre Schicksale waren wie aus Tausend und einer Nacht: Voll Tragik und Gewalt, voll Sehnsucht und Geheimnis.
Tripolis: Stadt der Berberinnen, der Italienerinnen, Jüdinnen, Araberinnen. Stadt, die nach Zimt und rotem Tee duftet, wo kühle Patios vor der gleißenden Sonne schützen. Aus der Sicht des Ich-Erzählers war Tripolis eine Stadt der Frauen: Die Männer lebten in einer fernen Parallelwelt. Da ist Zohra, die von ihrem Mann so kurz gehalten wird, dass sie dem kleinen Jungen nicht mal ein Bonbon schenken kann, oder Hiba, die ihr Gesicht abwendet, damit niemand sieht, dass ihr Mann ihr die Zähne ausgeschlagen hat. Aber da sind auch die schöne, lebensfrohe Fella, die eine Tochter mit einem schwarzen Offizier hatte, und Nafissa, die der großen Liebe ihres Lebens nachträumt…
Voller Poesie und Sinnlichkeit, und dabei mit unbestechlichem Blick schildert Kamal Ben Hameda eine Welt, die jahrhundertelang am Patriarchat festgehalten hat, an einer Kultur der Unterdrückung. Nun scheint sie erstmals aufzubrechen.
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Meine Meinung:
Meine literarische Reise durch den Orient führte mich natürlich auch, über dieses Buch, nach Libyen.
Ich wollte dieses Buch mögen, ja, sogar lieben, aber ich drang nicht ganz zur Poesie durch. Und irgendwie fühle ich mich enttäuscht über mich selbst. Schwer zu erklären...
Hadachinou, der kleine Junge, der, anstatt mit anderen Kindern zu spielen, sich lieber unter die Frauen mischt, ihnen und ihren Geschichten zuhört, sie gerne begleitet und sich in der eher sanften Gesellschaft der Frauen wohl fühlt. Denn sie streiten nicht über Politik oder Religion, nein, sie erfreuen sich am Frau-sein oder ertragen ihre Leiden, so, wie es sich für Frauen in diesen Ländern gehört.

"Du musst dich mit einfachen Dingen beschäftigen, die du liebst, setz dir ein Ziel. Die kleinen Dinge sind die Seele des Lebens; die kleinen Ereignisse, die niemand beachtet..."

"Ohne diese Augenblicke vertrauensvoller Hingabe wären sie [die Frauen] vor Kummer längst vertrocknet oder ... hinter ihren Töpfen verpufft."

Diese beiden Zitate sollen beispielhaft für die schöne Sprache des Autors dienen. Es ist Poesie, keine Frage! Vermutlich bin ich aber durch die Kürze des Buches, auf dem Weg dortin, einfach steckengeblieben.

Ich fühle die Angst, die Unterdrückung, die Einsamkeit, den Schmerz aber auch die Freude, die Tapferkeit und auch die Heiterkeit der Frauen. Aber ich hätte sie wohl gerne intensiver begleitet. Ich hätte sehr gerne mehr erfahren wollen von den Frauen und der Stadt aus der Kindheit des Autors.
Trotz meines Hin-und-Her-Gefühls für dieses Buch, ich empfehle es weiter.

Lest es - und dringt durch zu Tripolis aus Tausend und einer Nacht!
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Dieses Buch widme ich nachträglich dem Gedenktag "Muttertag in der arabischen Welt". Was gibt es passenderes als ein Buch über sieben Frauen, dessen Geschichten in Libyen verwurzelt sind...

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