Buchvorstellung - Dshamilja

#84 Rezension

Dshamilja

Tschingis Aitmatow
Unionsverlag
Taschenbuch
ISBN: 9783293200012 
Sprache: Deutsch 

Originaltitel: Dshamilja
Originalsprache: russisch
Übersetzer: Hartmut Herboth, Friedrich Hitzer
5 von 5 Sternen

copyright Unionsverlag


Klappentext:
1956 verfaßte Tschingis Aitmatow am Maxim-Gorki-Literaturinstitut in Moskau als Diplomarbeit eine Geschichte und gab ihr den Titel "Dshamilja". Seither geht sie um die ganze Welt. Sie ist, wie Aitmatow im Vorwort zu dieser Ausgabe sagt, zur "Gefährtin all jener geworden, die an die Liebe glauben."

"Ich schwöre es, es ist die schönste Liebesgeschichte der Welt." (Louis Aragon) 
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Dies ist ein Büchlein von 95 Seiten - äußerlich klein und gleichzeitig inhaltlich ganz groß!

Ob es die schönste Liebesgeschichte der Welt ist, weiß ich immern och nicht zu sagen... Zumindest ist es eine wirklich schöne Liebesgeschichte in einer sehr schwierigen Zeit, in einem kargen Land, mit wenig Worten, dafür umso mehr Gefühl!

In dieser Novelle findet man mehrere Liebesgeschichten: die jugendliche Liebe von Seit (dem Erzähler) zu seiner Schwägerin Dshamilja, die Liebe Seits zur Malerei, die Liebe Danijars zum Land Kirgistan / Kirgisien und der Erde der kirgisischen Steppe und als letztes die tiefe Liebe zwischen Danijar und Dshamilja. 

"Ihr meine Berge, ihr blauweißen Berge, Land meiner Ahnen und Väter!" (Seite 51 oben)
"Ein sanfter Wind wehte von dorther. Danijar sang wieder. Er begann abermals schüchtern und unsicher, doch allmählich gewann seine Stimme Kraft, sie erfüllte die ganze Schlucht und hallte von den fernen Felsen wider." (Seite 51 unten)
"Und sie (die schlummernde Steppe) hörte dem Sänger dankbar zu, dessen ihr vertraute Melodie sie liebkoste. Sanft wogten die weiten, reifen, graublau schimmernden Kornfelder, die noch auf die Mahd warteten. Helle, dem Morgendämmern vorauseilende Lichtflecke huschten über das ebene Land."  (Seite 53 mitte)
 "In jedem Pinselstrich soll der Gesang Danijars ertönen! In jedem das Herz Dshamiljas schlagen!" (Seite 81 unten)

Solche Sätze, voller Poesie, findet man viele. Es war ein Genuß mit der Melodie der Geschichte zu fliegen und sich davon vereinnahmen zu lassen.

Danijars Gesang ist der Schlüssel zu all dem. Durch ihn öffnen sich Seits Augen und Herz und er erkennt seine Liebe und  Zuneigung zur Malerei. Seit und Dshamilija erkennen, dass Danijar ein Mensch mit Tiefe ist und Dshamilja gesteht sich ihre Liebe für Danijar ein.

Das alles passiert zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, wo alle gesunden Männer an der Front sind und die zurückgebliebenen Frauen und Kinder hart auf den Feldern arbeiten müssen, um die Versorgung der Soldaten zu gewährleisten. Es gibt nicht wirklich viel zu lachen und für die wahre Liebe ist eigentlich kein Platz. Und doch schafft sie es sich in das karge Land zu schleichen  und zwei Menschen zu verbinden, die nicht zusammengehören dürften und schenkt ihnen (hoffentlich) ein gemeinsames Schicksal und langes Leben.


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Dem heutigen Welttag der Poesie, möchte ich deshalb unbedingt dieses Buch widmen!

Ein Danke noch an den Unionsverlag, von dem ich dieses schöne Buch letztes Jahr bei einer FB-Aktion gewonnen habe.


Kommentare

  1. Oh wie schön, dass dir die Geschichte auch so gut gefallen hat.

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    1. sie ist sehr ungewöhnlich und gefällt sicherlich nicht jedermann! aber wenn man länger über sie nachdenkt, wird einem bewusst, wie toll sie eigentlich ist!

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  2. Wunderbare Rezension, vielen Dank dafür!

    Solche besonderen Erzählungen in wunderschöner Sprache verzaubern auf stille Art auch ohne 'aufregende Plot Twists', ich freue mich sehr darauf, die Novelle zu lesen. :)

    Lieben Gruß
    Karl-Heinz

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    1. Lieber Karl-Heinz,
      sehr schön, dass du dieses Büchlein für dich entdeckt hast! Ich wünsche dir viele besondere Lesemomente und dass dich die Geschichte ebenso in den Bann zieht wie mich!
      GlG vom monerl

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