Buchvorstellung - Der Tag: An dem ein Wal durch London schwamm

#88 Rezension



Der Tag: An dem ein Wal durch London schwamm


Gelesen von: Katrin Weisser-Lodahl
Selja Ahava


Hörbuch-Download

  • Spieldauer: 4 Stunden und 15 Minuten
  • Format: Hörbuch-Download
  • Version: Ungekürzte Ausgabe
  • Verlag: Egmont Hörverlag
  • Erscheinungsdatum: 15. Juli 2014
  • Sprache: Deutsch


3 von 5 Sternen

copyright EGMONT Hörverlag


Kurzbeschreibung:
Als alte Frau blickt Anna zurück auf ihr Leben, so, wie sie sich daran erinnert, an schöne wie an schwere Momente, an die Zeit in Finnland wie auch den Neuanfang mit Thomas in England. Vor allem erinnert sie sich an ihr Häuschen mit den blauen Vorhängen auf einer Schäreninsel, inmitten von Möwen, Schilf und krummen Kiefern, wo sie die Sommer mit ihrer großen Liebe Antti verbrachte - und natürlich an den Tag, an dem ein Wal durch London schwamm.

Ein Roman aus Finnland zum Thema Erinnern und Vergessen, aber auch über die Kraft der Wörter und der Fantasie: märchenhaft, tragikomisch, menschlich - und mit einer unvergesslichen Heldin!
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Meine Meinung:
Nach dem Hören war ich traurig, sehr traurig, da mir das Buch nicht gefallen hat!
Ich war so gespannt auf diese Lektüre, da die meisten Rezensionen und Buchbesprechungen sich mit dem Lob dazu schon richtiggehend überschlagen haben.

Für mich ist die Thematik nicht neu. Zu Demenz und Alzheimer habe ich einige Bücher gelesen. Manche glichen einander und andere wiederum waren einzigartig. Dieses hier versprach ebenso einzigartig zu sein; und das ist es auch! Keine Frage! Aber für mich nicht unbedingt im positiven Sinne.

Die Geschichte ist so wirr, durcheinander und verrückt wie die Krankheit selbst. Aus diesem Blickwinkel betrachtet kann ich bestätigen, dass, falls die Autorin auf diese Art die Krankheit und den darin gefangenen Menschen darstellen und beschreiben wollte, es der Autorin ausgesprochen gut gelungen ist!
Der Leser versucht Anna zu folgen, die eine Art Rückblick auf ihr Leben macht und dabei, durch die Demenz gezeichnet, selber nicht mehr weiß was Vergangenheit ist, was sie tatsächlich erlebt hat und was ihrer Fantasie entsprungen ist. Der Rückblick hat auch keine zeitliche Reihenfolge, da die Demenz auch keine Reihenfolge einhält. Sie kommt und geht und zeigt der betroffenen Anna, was sie ihr zeigen und sie sich erinnern lassen möchte - die Krankheit ist der Boss, nach dessen Pfeiffe Anna tanzen muss. Sie wundert sich, wie auch der Leser, als verschiedene Märchengestalten lebendig in ihren Erinnerungen auftauchen. Ebenso ist Annas Draht zu Gott ein ziemlich guter. Des öfteren besucht er sie und sie kann bei einem Spaziergang seine Anwesenheit genießen und mit ihm reden.
Anna kämpft gegen das Vergessen an, doch siegen kann sie nicht.

Und ich kämpfte mit dem Buch! Das Stilmittel, das Buch so zu schreiben wie ein Demenzkranker es wohl fühlt und damit leben muss, ist zwar interessant, konnte mich aber nicht für sich einnehmen. Zu durcheinander und ohne roten Faden, fühlte ich mich bei jedem Wechsel wieder aus der Geschichte herauskatapultiert. So war es mir auch leider nicht möglich, Nähe zu Anna aufzubauen. Ihr Schicksal ließ mich ungewöhnlicherweise kalt. Ich wollte betroffen sein, letztendlich gelang es mir nicht. Auch die Listen der Wörter, die viele Leser als poetisch beschrieben haben, nervten mich irgendwann. Ich wollte ein Buch lesen, in meinem Fall hören, aber ich bekam ständig nur Fetzen ohne Reihe und Zusammenhang, fühlte mich alleine gelassen mit all den aufgezählten Wörtern. Und so ging auch der außergewöhnliche Tag, an dem ein Wal durch London schwamm, ziemlich emotionslos an mir vorbei. Schade, sehr schade!
Ich fühlte mich wie Anna, das hat die Autorin geschafft, aber ich fühlte mich damit nicht unterhalten. Eine Menge Fragen quälen mich, die leider nicht beantwortet werden.

Hinzu kommt noch, dass dieses Buch als Hörbuch eine Katastrophe war. Am Ende eines jeden Kapitels wurde vergessen, eine kleine Pause einzubauen. So flossen sie ineinander, wo man als Leser einen Atemzug Innehalten benötigt hätte, um das Gesagte kurz sacken zu lassen. Nicht nur sacken zu lassen, einfach, um auch deutlich zu machen, jetzt kommt was neues.

Leider überzeugte mich Katrin Weisser-Lodahl als Vorleserin auch nicht. Immer wieder gibt es Stellen, an denen sie sich beim Sprechen verhaspelt, die Worte werden so "lullig" vorgetragen. Entschuldigt die Beschreibung aber ich weiß es nicht besser auszudrücken. Gegen Ende sind auch immer öfters Atem- und Schluckgeräusche zu vernehmen, die den Hörgenuß empfindlich störten.

Knappe 3 Sterne vergebe ich für dieses Hörbuch, da die Autorin einerseits Können bewiesen hat (positiv gewichtet), auch wenn diese Art Buch etwas zu sehr andersartig für mich ist aber andererseits leider als Hörbuch einen Flop darstellt (negativ gewichtet).

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