Buchvorstellung - Der erste Sohn



#72 Rezension

Der erste Sohn
Gelesen von: Hans Peter Hallwachs, Regina Lemnitz, Jürgen Terrach
Philipp Meyer



Hörbuch-Download
  • Spieldauer: 20 Stunden und 32 Minuten
  • Format: Hörbuch-Download
  • Version: Ungekürzte Ausgabe
  • Verlag: Der Hörverlag
  • Erscheinungsdatum: 26. Mai 2014
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 9783844514896

2, 5 von 5 Sternen




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Buchbeschreibung:

Das literarische Ereignis des Jahres - Das große Epos über den Gründungsmythos Amerikas: 

Eli McCullough ist der erste Sohn der neuen Republik Texas, die am 2. März 1836 gegründet wird. Seine Eltern gehören zu jenen Siedlern, die sich ins Indianerland vorwagen, ein Paradies, das alles verheißt - nur keine Sicherheit. Bei einem Überfall wird seine Familie ausgelöscht. Eli wird verschleppt und wächst bei Indianern auf. Als diese dem Druck der Weißen nicht mehr standhalten können, kehrt er zurück in eine ihm fremd gewordene Welt. Mit Härte gegen sich und andere, mit Cleverness, Skrupellosigkeit und Wagemut begründet er eine Dynastie, die durch Viehzucht und Öl zu immensem Reichtum und politischer Macht kommt. Doch Elis Nachfahren drohen an seinem Vermächtnis zu zerbrechen...
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Meine Meinung:
Als ich las, "Das literarische Ereignis des Jahres - Das große Epos über den Gründungsmythos Amerikas", dachte ich, das ist genau das richtige Buch für mich! Ich liebe Abenteuerromane und Familiensagas und das sollte eine Kombination sein, somit konnte ich mit der Wahl nichts falsch machen.


Zum Hörbuch:
Doch leider war dieses (Hör-)Buch für mich eine große Enttäuschung!
Der wichtigste Punkt bei einem Hörbuch sind die Stimmen und die Art des Vorlesens. Und beide Kriterien waren hier für meinen Hörgeschmack nicht erfüllt worden.
Hans Peter Hallwachs (dessen Stimme ich eigentlich mag), der Eli die Stimme gab, war auf Dauer fast nicht mehr zu ertragen. Nicht nur, dass er etwas zu schnell vorgelesen hat als wolle er ganz schnell das Buch beenden, auch leierte er seinen Teil so dermaßen monoton herunter, dass ich die Lust verlor, ihm zuzuhören. Das war sehr bedauerlich, da der Handlungsstrang von Eli eigentlich der interessanteste war.
Jeanne, gelesen von Regina Lemnitz, ist als Stimmauswahl gut gewählt, aber so richtig begeistern konnte sie mich auch nicht.
Zuletzt zu Jürgen Tarrach, der Peter seine Stimme gab. Mit dieser war ich eigentlich zufrieden. Doch leider konnte mich der Charakter Peter nicht fesseln, aber das kann ich Herrn Tarrach ja nicht anlasten.


Zum Inhalt:
Das Epos wird in drei Handlungssträngen erzählt, die auch die verschiedenen Zeitspannen wiedergeben. Wie bereits erwähnt, fand ich den Teil von Eli, dem ersten Sohn der McCullough-Dynastie, am Interessantesten. Man erfährt, wie es dazu kam, dass er bei den Indianern gelandet war und von ihnen großgezogen wurde. An vielen Stellen ist die Geschichte sehr brutal, aber das war eben die Zeit. Die Überfälle der Indianer auf die Siedler, und umgekehrt, waren kein Spaziergang. Es wurde verschleppt, vergewaltigt und getötet. Aber an der einen oder anderen Stelle hätte man nicht ganz so ausführlich darüber berichten müssen.
Doch was mich sehr gestört hat waren die Szenen, in denen es um Beziehungen, Liebe und vor allem Sex ging. Selten habe ich in einem Roman, so viele Gespräche über Sex und Sexszenen sowie vulgäre Ausdrücke gelesen, wie hier. Hinzu kommt, dass man ganz leicht darauf hätte verzichten können, da sie die Geschichte nicht vorangebracht haben. Ich musste dabei ganz oft an das Motto "Sex sells" denken. Je näher ich zum Ende kam, konnte ich mir das Augenrollen bei diesen Szenen nicht mehr verkneifen.
Weiterhin störte mich die Indianersprache. Meiner Ansicht nach, wäre das nicht nötig gewesen. Auch wenn der Eli-Handlungsstrang lange bei den Indianern spielt, erwarte ich nicht, dass die Protagonisten die Komanchen-Sprache sprechen. Im Hörbuch trübte das den Hörgenuss.
Peter, der sensibelste Sohn von Eli, ist zur falschen Zeit geboren worden. Er kann mit der Brutalität seines Vaters nichts anfangen und ist der Außenseiter der Familie. Nach und nach kristallisiert sich Peters Charakter als ein "Weichei" und "Jammerlappen" heraus. Irgendwann konnte ich ihn einfach nicht mehr ertragen! Ein ziemlich depressiver Charakter, der mich nicht überzeugen konnte. Die Beziehung mit einer Mexikanerin, der einzigen Überlebenden einer von den McCulloughs ausgelöschten Familie, die er am Ende führt, empfand ich als unglaubwürdig.
Jeanne, Elis Enkelin, weiß nicht, was sie mit sich und ihrem Leben anfangen soll. Sie suhlt sich in ihrem eigenen Mitleid. Getrieben von ihrer Unzufriedenheit, war sie ein Charakter, dessen Geschichte ich nichts abgewinnen konnte. Sie war einfach nur langweilig.


Irgendwann wollte ich das Hörbuch nur noch zu Ende bringen und es schnell vergessen.
Deshalb war dies mein (Hör-)Flop des Jahres.
Ein zu hochgelobtes Buch, das inhaltlich nicht überzeugen konnte, dessen Charaktere überwiegend langweilig waren, die Erzählweise zu oft unnötig brutal ausgeschmückt, mit zu viel Sex und Erotik. Und das Vorlesen war leider auch misslungen.



Kommentare

  1. Spannend, dass wir bei diesem Buch so unterschiedlicher Meinung waren, aber sonst so ähnliche Bücher mögen. Ich kann deine Kritik gut nachvollziehen, vielleicht eignet sich das Buch beim ersten Kontakt wirklich nicht gut als Hörbuch.

    Ich fand's einfach großartig, übrigens auch als Hörbuch. Ich fand das Buch so klasse, dass ich nach dem Lesen sogar noch das Hörbuch gehört habe. Vielleicht haben mich deshalb einige deiner Kritikpunkte nicht gestört, z.B. die Indianersprache oder das schnelle Lesen.

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    1. Mensch, ich bewundere das ja, wenn man nach dem Lesen des Buches das Hörbuch auch noch durchnehmen kann oder auch umgekehrt. Mir fehlt schlichtweg leider die Zeit dazu. Ich muss immer entscheiden, Buch oder Hörbuch. Die meisten aktuellen Bücher höre ich, da ich dafür mehr Zeit erübrigen kann als für gedruckte Bücher.

      Wenn das Buch nicht so ein "Schinken" wäre, würde ich nach deiner Rezi es vielleicht nochmal mit der Geschichte versuchen. Kann sein, dass meine Kritikpunkte dabei dann wegfallen, insbesondere, da ich das Buch bereits kenne und es evtl. ganz flüssig lesen könnte. Vielleicht irgendwann mal, wenn ich in Rente bin oder so... hihihi

      Danke für deinen Lieben Kommentar!
      GlG vom monerl

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