Buchvorstellung - Der Circle


#67 Rezension

Der Circle

Dave Eggers
Kiepenheuer&Witsch Verlag
Fester Einband
ISBN: 9783462046755

3 von 5 Sternen
copyricht KiWi Verlag


Utopie - Dystopie - Nahe Realität- Realität??? 

Erschreckend real fühlt sich diese Geschichte an! Von Beginn an schob sich vor mein inneres Auge "der Circle" als eine Kombination von Ebay+Apple+Amazon+Facebook+You-Tube an. Ständig hatte ich das Gefühl, dieses Unternehmen ist gar nicht so weit entfernt in der Zukunft. Daher fiel der Einstieg ins Buch ziemlich leicht. Vieles kennt man doch irgendwie irgendwoher, oder?! 
Ich fühlte mit Mae, der Hauptprotagonistin die Freude, als sie es endlich geschafft hat, beide Füße in den beliebten Circle zu bekommen. Endlich in einem modernen Unternehmen angekommen, das sich um seine Mitarbeiter kümmert, ja, sie regelrecht bemuttert! Für alles ist gesorgt, ein Rundum-Paket von sozialen Leistungen, tollem Gehalt, einem Campus für Freizeit, Hobby und Vergnügen und noch viel, viel mehr. Und was muss sie tun? Einfach nur an der Gemeinschaft teilnehmen, sich sozial angagieren, innen wie außen, und KOMMUNIZIEREN. Ist doch einfach! Wer kommuniziert denn heute nicht sowieso ständig, ob aktiv oder passiv, reden, posten, liken... 
Wer wünscht sich denn nicht einfach das neueste Handy geschenkt zu bekommen, den besten Laptop, 5 Bildschirme am Arbeitsplatz, eine Wohnung am Campus, wenn´s mal länger dauert, weil die Firmenparty so klasse war und weil doch so viele tolle Firmenparties stattfinden. Denn DAS KOLLEKTIV ist die neue Privatsphäre! Ungeteilte Erlebnisse, Wissen und alles andere ist purer Egoismus, der Gemeinschaft gegenüber! 
Auf subtile Art und Weise schafft es der Circle seine Mitarbeiter an sich zu binden und jeden noch so kleinen Zweifel auszumerzen. 

Der Circle will für alle da sein, den Bürger, den Prominenten, den Politiker, den Gesunden, den Kranken und für alle die, die wollen und nicht wollen. Und da fängt das Problem wohl an. 
Für manche Leser mag Mae im Laufe der Geschichte wohl als ziemlich dumm und naiv erscheinen. Aber vergessen wir nicht, dass wir als Leser in der glücklichen Lage sind, Außenperspektive einnehmen können. Wir fühlen, wohin das hinführt. Doch welche Chance hat Mae? Wie kann sie sich ihrer so grandiosen und positiven Zukunft erwehren? 

So begeistert ich bis hierhin klinge, so leid tut es mir, dass mich die permanente Kommunikation im mittleren Drittel des Buches nicht mehr fesseln konnte. Zu viel Gerede, zu viel hin und her, zu viel Unnötiges, das die Geschichte nicht richtig vorangebracht hat. Ich fing an, schneller zu lesen, nur um diesem Posten, Liken, Ranking, Überwachen... schneller zu entkommen. 

Dieser Einbruch meiner ursprünglichen Begeisterung, schlägt sich auch in der Bewertung nieder. Denn leider konnte das recht gute und überzeugende Ende, mich nicht mehr an die ursprüngliche Begeisterung heranführen. 

Durch das ehrliche und unkitschige Ende ist dem Autor ein Buch gelungen, mit dem ich zwar zufrieden war, aber nicht überwältigt werden konnte. Ein interessantes und durchaus wichtiges Thema unserer Computer-Internet-Online-Zeit, das für meinen Geschmack etwas fesselnder hätte umgesetzt werden dürfen.

Kommentare

  1. So ähnlich ist auch ZERO.....zumindest dem Thema nach.

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  2. das stimmt. habe ZERO mittlerweile auch gelesen, nur noch nicht rezensiert. hat mir aber insgesamt einen stern besser gefallen. ;-)

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  3. Ich habe im Herbst auch beide Bücher gelesen (und als drittes noch "Drohnenland"). Hätte ich damals schon Rezis geschrieben, hätten wahrscheinlich beide Bücher 3 Sterne von mir bekommen, denn ZERO hatte zwar eine sehr spannende Story, wahr aber meiner Meinung nach nicht so gut geschrieben (und ich mag das Präsens als Erzählform einfach nicht, brrrr).

    Liebe Grüße
    Ascari vom Leseratz Blog

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    1. liebe Ascari, danke für deinen kommentar! :-) dann sind wir gar nicht so weit auseinander mit unseren meinungen. ich fand ZERO ja auch spannend, und zwar spannender als DER CIRCLE. bei präsens als erzählform stört mich immer nur, wenn´s insgesamt nicht passt oder der autor sich damit verhaspelt. hier fand ich´s in ordnung.

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    2. Ich kann mich erinnern, dass den "Circle" mit einem gewissen Schaudern gelesen habe ... So nach dem Motto: "Mädchen, schalt doch mal deinen Verstand ein". Und das erste Mal, wo sie gemaßregelt wird, dass sie nicht ihr ganzes Leben mit der Community teilen will - oh Mann! Was ich damit sagen will: Der "Circle" hat die Thematik meiner Meinung nach besser rübergebracht, auch wenn das Buch überzogen war und meiner Meinung nach eher für amerikanische Leser geschrieben, die ja mit dem Thema Datenschutz nicht so viel am Hut haben wie wir Europäer.

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  4. Hallo Monerl,
    da kommen wir ja beide zu ganz ähnlichen Urteilen. Mich hat ja hauptsächlich diese himmelschreiende Naivität der Hauptperson genervt. Aber vielleicht als Schullektüre zur Diskussionsgrundlage ganz gut geeignet, das Buch ist vermutlich auch für Wenig-Leser kein Problem ;-)
    Liebe Grüße
    Thomas

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    1. Hallo Thomas,
      kann deine Worte auch gut nachvollziehen. Mich hat Mae auch genervt, konnte mir das dann aber noch einigermaßen plausibel, wie oben beschrieben, erklären. Als Schullektüre kann ich mir das Buch auch gut vorstellen. Die jüngere Generation ist bzgl. dieser Thematik manchmal zu unbedarft.

      Das Buch wird ja demnächst als Film in den Kinos anlaufen. Den möchte ich mir auf jeden Fall anschauen. Vor allem, da die Hauptdarstellerin Mae von Emma Watson und der Firmengründer Eamon Bailey von Tom Hanks dargestellt werden!

      http://www.filmstarts.de/kritiken/234164.html

      GlG vom monerl

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