Buchvorstellung - Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen


 #47 Rezension


Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen

Aimee Bender
Berlin Verlag
Taschenbuch
ISBN: 9783833308536 


5 von 5 Sternen
copyright Berlin Verlag




Inhaltsangabe:

Als Rose an einem strahlenden Frühlingstag kurz vor ihrem neunten Geburtstag in ein Stück Zitronenkuchen beißt, den ihre Mutter für sie gebacken hat, muss sie feststellen, dass zwischen den frischen Zitronen, dem Zucker und der Butter eindeutig ein Hauch Traurigkeit liegt. Und plötzlich schmeckt der Marmeladentoast ihres Bruders Joseph seltsam abwesend, das Roastbeef ihres Vaters nach Schuldgefühlen, ein Sandwich nach großer Verliebtheit: Jeder Bissen offenbart mehr, als Rose lieb ist - und erst im Laufe der Jahre lernt sie, mit ihrer Gabe umzugehen. Ein herzzerreißender, komischer Familienroman, der uns die Frage stellt, wie viel wir wirklich von unseren Liebsten wissen.
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Der Titel und die Grundidee haben mich begeistert, deswegen wollte ich es unbedingt lesen.
Ein junges Mädchen, Rose, das sich plötzlich, von einem Tag auf den anderen, mit einer skurrilen Gabe herumplagen muss: Sie schmeckt die Gefühle derjenigen Person heraus, die die Mahlzeit zubereitet hat. Sei es ein Gericht, ein Sandwich, ein Kuchen... Dies geht so weit, dass sie sogar erkennt, woher die einzelnen Zutaten geographisch herkommen, ob sie biologisch sind und ob das Gericht maschinell hergestellt wurde. Auf den ersten Blick erscheint das lustig, doch bei näherer Betrachtung zeigt sich die Tragweite dessen, was Rose täglich erdulden und zu erleiden hat - vor allem in ihrer Familie.

Die Autorin wählt eine schöne und flüssige Sprache, die nicht überfrachtet oder zu episch ist. Sie konzentriert sich auf das Wesentliche, erzählt aus der Sicht von Rose.

Ich weiß nicht genau, was ich von diesem Buch erwartet habe. Ich habe mich einfach drauf eingelassen, ohne vorher viel darüber zu lesen. Dennoch hätte ich mir die Entwicklung der Geschichte so niemals vorstellen können. Sie ist erfrischend anders als alles, das ich bisher gelesen habe. Es ist kein Fantasy-Buch, doch Rosies Gabe hat etwas märchenhaftes. Und der letzte Teil des Buches enthält ein Sammelsurium an Offenbarungen, die manches Verhalten der Charaktere letztendlich erklärt und der Geschichte sogar etwas Bodenständiges verleiht.

Die Geschichte, die ursprünglich mit Rosie beginnt entwickelt sich zur Geschichte über ihren Bruder Joseph, genannt Joe. Ein wahrlich komischer (im Sinne von seltsamer) Kauz, von Anfang bis zum Ende, einem Ende, das mich auch irgendwie traurig gemacht hat. Dies ist kein wirklich nachhaltiges Buch, doch aber irgendwie ein besonderes. Wenn man sich daran gewöhnt hat, dass es keine richtige direkte Rede gibt und sich auf die Besonderheit der Geschichte einlassen kann, erkennt man eine gewisse Spannung, die einen das Buch seltsamerweise nicht aus den Händen legen lässt.

Das Ende ließ mich etwas sprachlos zurück, da es sehr bizarr und wundersam ist. Dazu hätte ich sehr gerne noch ca. 10 Seiten mehr gelesen, die mir ein paar mehr Informationen zu Joe hätten geben sollen. Ich wollte so gerne besser verstehen...

Als Fazit kann ich nur sagen, dass dies auf keinen Fall ein Buch für jedermann ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Leser sogar nichts damit anfangen können. Aber wer das Besondere, das Interessante, das Ungewöhnliche sucht und vor Skurrilem und auch Phantastischem nicht zurückschreckt, für den könnte sich hier eine außergewöhnliche Geschichte über eine nicht alltägliche Familie eröffnen.

Für mich waren das 5 von 5 Sternen!

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