Buchvorstellung - Ich bitte nicht um mein Leben

#40 Rezension

Ich bitte nicht um mein Leben
Marina Nemat
Knaur Verlag
Taschenbuch

ISBN: 9783863651671


5 von 5 Sternen






"Der bewegende Bericht einer jungen Iranerin, die als Mädchen zum Tode verurteilt, aber von ihrem Gefängniswärter gerettet wurde. "


Ich bin froh, dass Marina den Gräueltaten und dem Regime entkommen konnte. Sie hatte sehr, sehr viel Glück und Menschen, die ihr helfen konnten und wollten.

Am Ende bin ich etwas betrübt, da sie in der Danksagung DEN Menschen und seine Familie, der ihr eigentlich das Leben zwei Mal gerettet hat und ihr die Freiheit gab, nicht erwähnt. Irgendwie hat sie ihn (sie) einfach ausradiert, aus ihrem Leben und ihren Gedanken, ohne die Wertschätzung im Buch rüberzubringen, die er (sie) m. E. verdient hätte(n). Natürlich sage ich das bezogen auf den Rahmen, den sie mit ihrer Erzählung und dem Buch geschaffen hat.

Wie bewertet man ein Buch, das die Erlebnisse (vorallem so schlimme) beschreibt, die ein Mensch in seinem Leben erfahren musste? Wie ist es möglich, die Lebensgeschichte eines anderen zu bewerten, die voller Schmerz, Verlust und Gefahr war? Dieses Buch diente zu ihrer "Genesung" und, wie sie sagt, den Menschen, die das Gleiche erlitten haben und nicht so viel Glück hatten zu überleben, eine Stimme zu geben. Die Welt sollte erfahren, was ihnen allen widerfahren ist.

Wer vor solchen Biografien nicht zurückschreckt und mehr über die Zeit der Revolution im Iran erfahren möchte, dem kann ich dieses Buch empfehlen.
Der Schreibstil ist gut, leicht und flüssig.

Ich vergebe für ihren Mut, diesen Teil ihrer Vergangenheit preiszugeben, nicht nur der ganzen Welt sondern auch ihrem Mann und den Söhnen, ihrer Familie und allen Bekannten und Freunden, die sich trauen werden (getraut haben), ihre Geschichte zu lesen, die volle Sternenzahl!
Den Toten, die vergessen werden sollten und für ihre Familien für immer verschwunden sind, hat sie einen Namen, eine Geschichte gegeben und sie verewigt. Und anderen Menschen hat sie hoffentlich ein bisschen Mut abgeben können.
Was mir überhaupt nicht gefällt ist der Titel + Untertitel, da beides impliziert, es würde um Stolz gehen und um die schlechte Behandlung der christlichen Minderheit im Iran. Das ist aber nicht der Fall! Es ist kein Buch, das "mal wieder deutlich machen will", Muslime wären schlecht zu den Christen.

Der Originaltitel ist viel treffender!

"Prisoner of Tehran: One Woman's Story of Survival Inside a Torture Jail"

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