Buchvorstellung - Im Land der Männer

#21 Rezension

Im Land der Männer

Hisham Matar
btb Verlag
Taschenbuch
ISBN: 9783442738656

5 von 5 Sternen

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Beschreibung Amazon:

Ein ergreifender Roman über eine Kindheit in Libyen zur Zeit der Revolution Gaddafis

Suleiman ist neun Jahre alt, als sich die Welt, wie er sie kennt, für immer verändert. Es ist der Sommer 1979, und Tripolis liegt im gleißenden Sonnenlicht. Die Maulbeeren sind so süß, als kämen sie direkt vom Himmel. Aber es geschehen Dinge, die Suleiman nicht versteht und die ihm niemand erklärt. Denn Suleiman soll nicht wissen, dass sein Vater im Untergrund gegen Revolutionsführer Gaddafi arbeitet – und muss doch erleben, wie sich das Netz des Sicherheitsapparates immer enger um die Familie legt.

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Der kleine Junge Suleiman muss stark sein für seine Mutter, da diese, in Vaters Abwesenheit, immer zur Flasche greift und sich betrinkt. Sie ertränkt ihre Trauer und ihr Leid, wegen ihres "verpatzten" Lebens, das in dem Moment vorbei war, als sie mit 14 gezwungen wurde Suleimans Vater zu heiraten und Suleiman geboren wurde. Schon damals wurde sie in einem Land der Männer ihrer Zukunft betrogen, da sie als Tochter, Schwester und Frau kein Mitspracherecht hatte.

Eines Tages wird der Nachbar, ein Lehrer und Vater seines besten Freundes, von der Regierung mitgenommen und öffentlich im Fernsehen zum Tode verurteilt. Die Gefahr, in der sich Suleiman und seine Familie nun befindet ist groß, da der Verurteilte ein sehr guter Freund von Suleimans Vater war. Es stellt sich heraus, dass die Geschäftsreisen ins Ausland eine Tarnung waren, da der Vater in der Zeit seiner Abwesenheit auch gegen das Regime kämpfte. Wird es seinem Vater ebenso ergehen? Wird seine Familie in Schande gebrandmarkt werden?

In seinem Erstlingswerk "Im Land der Männer" berichtet der Autor von der Widerstandsbewegung in Libyen zu Zeiten der Gewaltherrschaft Gaddafis. Er beschreibt sehr authentisch, aus Sicht des kleinen Suleiman, die politischen Zeiten und ihre Auswirkungen auf die Bevölkerung.

Der Autor, dessen Leben Parallelen zum Roman aufweist, verarbeitet in seinem Roman die eigenen Erlebnisse seiner Kindheit und das Verschwinden seines Vaters. Er, der heute selbst im "Exil" in Ägypten lebt, lässt den Leser die Sehnsucht nach seinem Geburtsland Libyen, mit jedem Wort im Buch, fühlen. Dies ist ein grandioser Roman mit besonderer Sprache, der scheinbar leise aber doch gewaltig die Ungerechtigkeit herausschreit und ein Land zeichnet, in dem nicht einmal mehr die Männer über ihre Zukunft entscheiden durften.

Aus heutiger Sicht ist dies immer noch ein sehr interessantes Buch, insbesondere, da in 2011 Gaddafi gestürzt und getötet wurde, und das des Autors geliebtes Land, sich immer noch in einem desolaten Zustand befindet, ohne nahe Aussicht auf Stabilität, Frieden und Freiheit der Menschen.

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