Buchvorstellung - Muslimisch-weiblich-deutsch!


#3 Rezension

Muslimisch - weiblich - deutsch!

Lamya Kaddor
Verlag C.H. Beck
Fester Einband
ISBN: 9783406591600

5 von 5 Sternen
Klappentext:
Der Islam ist Teil der deutschen Gesellschaft. Nur wollen das viele nicht wahr haben - unsere selbsternannten Islamkritiker nicht und am wenigsten viele Muslime selbst. Die schweigende Mehrheit lässt es zu, dass bärtige Fundamentalisten sie in der Öffentlichkeit repräsentieren und dass Terror, Zwangsheirat und Ehrenmorde das Bild vom Islam bestimmen. Lamya Kaddor gibt den liberalen, aufgeklärten Muslimen in Deutschland endlich eine Stimme, vor allem den Frauen, die selbstbestimmt - mit oder ohne Schleier - leben wollen, ohne ihre Religion preiszugeben. Sie erzählt, wie sie in Deutschland als Tochter frommer arabischer Einwanderer groß geworden ist und mit welchen Herausforderungen sie als "Ausländerin" in der Schule und als junge gläubige Frau im Berufsleben fertig werden musste. Ein ebenso spannendes wie sympathisches Buch, das wachrütteln und die verschlafene Integrationsdebatte beleben wird.
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"In den sechziger Jahren, als die ersten Muslime einwanderten, war man entweder <deutsch> oder <muslimisch>, aber spätestens in der zweiten, dritten und vierten Einwanderergeneration sind wird <deutsch>  und <muslimisch>. 
Dieses Zitat bringt es auf den Punkt, was viele Deutsche als auch in Deutschland lebende Nicht-Muslime vergessen!

Lamya Kaddor erzählt und beschreibt in ihrem Buch sehr schön und nachvollziehbar ihren Alltag als Islamkunde-Lehrerin auf einer Hauptschule in Lohberg, NRW. Und eins wird dabei deutlich: Die muslimischen Schüler wissen wenig bis gar nichts über ihre Religion, außer, dass sie keinen Alkohol trinken und kein Schweinefleisch essen dürfen, dass Sex vor und außerhalb der Ehe verboten ist und dass eine gläubige Muslima ein Kopftuch zu tragen hat. Weiteres Wissen ist ihnen meistens fremd. Auch hat noch nie eine kritische Auseinandersetzung mit der Religion stattgefunden oder dass sie hinterfragt haben, warum sie dieses oder jenes tun oder unterlassen sollen.

Auch wird dem Leser nahe gebracht, welche "Kämpfe" Frau Kaddor mit Eltern von Schülern, den ortsansässigen Moscheen und dessen Imamen sowie Verbänden und Menschen um sie herum ausfechten muss. Ihre liberale und moderate Auslegung des Korans und einiger Koranverse wird oftmals und lautstark von Gegnern kritisiert.

Die Autorin verdeutlicht viele Hintergründe, Einstellungen und Lebensformen von Muslimen in Deutschland. Sie macht sich stark für die liberale und moderne Stimme des Islam. All jene Muslime, die glücklich und friedlich in Deutschland leben wollen und nicht zu den Konservativen, den Islamisten oder den Fanatikern gehören, müssen endlich in die Öffentlichkeit treten, auf sich aufmerksam machen und zeigen, dass sie einfach Bürger muslimischen Glaubens sind. Nicht mehr und nicht weniger.

"Noch immer gibt es viel zu wenig Angebote gerade für Menschen, die einen weltoffenen und toleranten Islam kennenlernen wollen.", so Frau Kaddor und ich stimme ihr vorbehaltlos zu! Ihr Buch war ein Genuss für mich, und ich hege mit ihr die Hoffnung, dass Muslime in Deutschland schlussendlich als integrierte Gemeinschaft ein Teil von Deutschland werden dürfen.

Denn eins darf nicht vergessen werden, wir sprechen hier nicht von muslimischen Flüchtlingen, die nach dem Krieg wieder in ihre Heimat zurückgehen können und wollen. Nein, hier geht es vorallem um Muslime, die in Deutschland geboren sind, dessen Eltern schon in Deutschland auf die Welt gekommen sind und sie sich nicht nur deutsch fühlen sondern auch deutsch denken und leben und Deutschland als ihre Heimat bezeichnen, da sie natürlich keine andere haben (können).

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© monerlS


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